Berühr mich

Die Tage plätschern vor sich hin. Das Kind is ein Jahr älter. Mein „Garten“ kostet meine Zeit und nimmt langsam Gestalt an. Die Litschis leben zu meiner Verwunderung immer noch. Ich bin allerdings reif für die Schlachtbank. Notschlachtung jetzt. Zuerst hatte ich mal wieder 3 Tage lang Auge. Wenn du aussiehst wie Horst Tappert ohne dass du aus emotionalem Anlass geheult hast. Und die Augen auch nur bedingt offen halten kannst. Dann hatte ich Hüpfte vom Pflanzen. Und jetzt habe ich das Gefühl ich hab mir irgendwas eingeklemmt und kann mein Bein/ Knie nicht mehr 100% drehen/ benutzen. Und Arm habe ich auch. Und Schultern eh. Und überhaupt.

Und überhaupt. Da fehlt was. Und das, auf das man verzichten könnte, ist weiter da.

Es ist zu warm. Draußen schauts aus wie im Juli.

Und ich fühle. Da fehlt was.

Heidelberger Kollegen haben Pärchen ins Labor geholt. Die Frau wurde so gestresst, dass sie ein Bewerbungsgespräch halten sollte von einer sehr gemeinen Jury. Das führt bei den Damen dazu, dass der Herzschlag ansteigt und dass das Cortisollevel ansteigt. Die fühlen sich also gestresst, die sagen auch, dass die gestresst sind. Jetzt haben die Psychologen zwei Bedingungen variiert. Zum einen durften die Männer vorher den Frauen sagen: „Mensch Schatz, du schaffst das. Total super, ich bin da.“ Zum anderen sollten die Männer ihre Frau anfassen dabei. Und was sich dann zeigt ist, dass das Anfassen hilft. Das einfach nur verbal sagen „Schatz, du schaffst“ das hat überhaupt keine Wirkung.

Fühlen wir zu wenig? | unhappy | ARTE

Hat das mal einer biochemisch analysiert? Ich hab da so ne Vermutung.

Wir haben einen Sinn in unserer Haut, der reagiert auf langsames Streicheln, so 3 cm pro Sekunde und der führt dazu, dass die Herzrate runtergeht. Die Fasertypen, die für diese Herzschlagreduktion zuständig sind, das sind die sogenannten c-taktilen Nervenfasern. Das haben wir uns angeschaut. Wir haben also viele Personen ins Labor gebracht und wir haben Eltern mit ihren Kindern ins Labor gebracht und wir sind zu Eltern und ihren Kindern nach Hause gegangen und überall dort haben wir Videos gedreht. Wie fassen Leute sich eigentlich an? Und was man dann sieht, die fassen sich also tatsächlich so an, dass diese c-etaktilen Nervenfasern aktiviert sind. Wir streicheln niemanden anderen so, sondern wir machen das genau mit der Geschwindigkeit, die eben für diese c-taktilfenfasern optimal ist.

Fühlen wir zu wenig? | unhappy | ARTE

Was lösen die denn aus, diese Tentakel? So biochemisch? Ich frag ja nur.

Menschen, die andere sehr viel berühren, die sind tatsächlich freundliche anderen Menschen gegenüber. Das funktioniert so auf Gruppenniveau. Es funktioniert aber auch für den einzelnen. Bedeutet also, wenn ich jetzt jemanden ganz viel berühre oder berührt werde, verhalte ich mich zwei Stunden später freundlicher.

Fühlen wir zu wenig? | unhappy | ARTE

Das erklärt einiges.

Es gibt ein schönes Beispiel dafür, wie Berührung so den Team Zusammenhalt stärkt. Das ist eine Studie von Kraus und Kollegen. Der hat sich ganz viele NBA Basketballspieler angeschaut und hat bei den Spielen immer geguckt, wie oft hat welcher Einzelspieler welchen anderen Einzelspieler angefasst. Die klatschen sich ab mit einem High Five oder mit einem Low Five. Er hat dann festgestellt, dass die Teams, in denen es mehr Berührung gab und auch die Einzelspieler, die mehr berührt haben, die sind am Ende der Saison viel erfolgreicher.

Fühlen wir zu wenig? | unhappy | ARTE

Wobei ich da fragen würde, was Ursache und was Wirkung ist.

Nichtsdestotrotz glaube ich schon an die Macht der Berührung. Wegen Biochemie.

Musik gibs auch keine. Also greifen wir zu alter. Und Ane fühlt. Fühlt ganz stark. Wobei ich den Keyboarder immer noch am geilsten find.

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