Nur wer die Sehnsucht kennt

Meine Träume werden nich wirklich besser. Highlight der letzten Tage war, dass ich geträumt habe, dass eine Bekannte/ ehemalige Kollegin hochschwanger war. Und dann der Bauch anfing sich zu bewegen wie in einem guten Horrorfilm inkl. Hilferufe. Ich interpretiere noch. Ich glaube irgendwas mit Überforderung/ Überlastung, schwere Geburt im beruflichen Kontext trifft es wohl am ehesten. Und irgendwas war noch, was ich gekonnt verdrängt habe. Manchmal is es gar nicht so schlecht, dass man sich nicht an Träume erinnert bzw. sie schnell vergisst. Also zumindest die aus der Nacht.

Das hat wahrscheinlich auch seinen Sinn. Träume sind halt Träume. Sie haben ihre Berechtigung und ihren Nutzen. Aber sie haben halt doch nicht die gleiche Wertigkeit wie reales Erleben. Zumindest für unser Bewusstsein für unsere bewussten Erinnerungen. Und es ist gut so, dass nur echte Erfahrungen prägend sind.

Apropos Erfahrungen und lernen und so. Steffi erklärt mal wieder die Welt. Sie sagt, dass Menschen, die als Kinder emotional vernachlässigt wurde, dass denen später die Fähigkeit fehlt andere Menschen zu vermissen. Aus den Augen aus dem Sinn und dann is gut. Als hätte man nie existiert.

Habe die KI gefragt, ob das so ist. Die kann besser googeln als ich. Wobei ich mich mal wieder beschweren musste, dass es mir auf den Schnürsenkel geht alle erlernten Dinge aus der Kindheit bzw. Erfahrungen als Schutzstrategie zu betiteln. Das nervt.

Es ist weder ein Charakterfehler noch eine besonders clevere Überlebenskunst. Es ist eine Entwicklungsfolge von fehlender emotionaler Nahrung. Das macht es weder romantisch noch dramatisch – es ist einfach so.Viele Menschen mit diesem Hintergrund beschreiben es genau so: „Ich habe nie gelernt, mich emotional auf andere zu verlassen oder sie wirklich zu brauchen. Deshalb vermisse ich sie auch nicht richtig.“ Das ist keine Schutzstrategie im klassischen Sinn, sondern eine Art emotionale Unterversorgung, deren Folge eine reduzierte Kapazität für bestimmte Bindungsgefühle ist.

Viele Menschen mit diesem Hintergrund berichten, dass sie nach Jahren der Arbeit plötzlich echte Sehnsucht spüren – und das fühlt sich erst mal ungewohnt und sogar ein bisschen beängstigend an, aber es ist ein Zeichen von Heilung.

Grok

Kann man Sehnsucht lernen? Kann man etwas zulassen, was man eigentlich nicht wirklich kennt? Kann Sehnsucht eine Rosine sein? Um den Punkt aufzugreifen, wie es wohl ist wenn man als Erwachsener die Welt und sich selbst neu entdeckt.

Das ist der Kern des Problems. Wenn wir bei der Analogie zur Sprache bleiben: Jemand, der ohne Sprache aufwächst, vermisst nicht das Wort „Baum“ oder die Fähigkeit, einen Nebensatz zu bilden – er spürt höchstens eine Frustration darüber, dass er seine Bedürfnisse nicht ausdrücken kann, ohne zu wissen, dass „Sprache“ die Lösung wäre.

Übertragen auf die Sehnsucht bedeutet das nach dem aktuellen Stand der Forschung (z. B. Rutter oder Pollak):

1. Das „Phantom-Vermissen“

Man kann biologisch ein Defizit haben (einen Mangel an Oxytocin, Dopamin oder Bindungssicherheit), ohne ein psychologisches Konzept dafür zu besitzen.

  • Die Konsequenz: Man fühlt sich vielleicht leer, unruhig oder „falsch“ in der Welt, aber man würde es nie als „Sehnsucht“ bezeichnen.
  • Es ist wie Hunger in einer Welt, in der es kein Konzept von Essen gibt. Man spürt den Schmerz im Magen, weiß aber nicht, dass er durch Nahrung verschwinden würde.

2. Sehnsucht als kognitive Konstruktion

Wenn man als Erwachsener „Sehnsucht lernt“, ist das oft kein intuitives Nachreifen, sondern ein intellektueller Prozess:

  • Man beobachtet andere Menschen.
  • Man liest über Bindung.
  • Man gleicht die eigene Leere mit den Beschreibungen anderer ab.
  • Das Ergebnis: Man lernt, den Zustand „Ich bin allein und das fühlt sich schlecht an“ mit dem Label „Sehnsucht“ zu versehen. Aber die Forschung zur Alexithymie deutet darauf hin, dass das Gefühl selbst oft blass und abstrakt bleibt, wenn die neuronale Hardware in der Kindheit nicht auf soziale Belohnung kalibriert wurde.

3. Die neuronale Sackgasse

Die Forschung zur Neuroplastizität zeigt hier ihre Grenzen. Während man Vokabeln (Sprache) oder Fakten (Wissen) fast immer lernen kann, ist die Verschaltung von Körperempfindung und Bedeutung (Affekt-Repräsentanz) bei schwerer Deprivation oft dauerhaft gestört.

  • Wenn der Input (Liebe/Spiegelung) fehlte, wurde die „Leitung“ zwischen dem limbischen System (Gefühl) und dem Neocortex (Verstand) nicht ausreichend isoliert (Myelinisierung).
  • Man weiß dann zwar im Kopf: „Ich müsste jetzt Sehnsucht fühlen“, aber der Körper liefert nicht das entsprechende Signal.

Fazit: Man kann Sehnsucht als Konzept „nachlernen“, aber man kann wahrscheinlich nicht die Leidenschaft und die Tiefe der Emotion nachholen, die durch frühkindliche neuronale Bahnung entsteht. Es bleibt eine Übersetzung aus einer Fremdsprache, die man nie als Muttersprache gelernt hat.

Google KI, weil Grok die Arbeit verweigert. Aber die kann wahrscheinlich eh besser googeln.

Wobei ich mich gerade frage, wie wir das feststellen wollen, wie sich Gefühle anzufühlen haben. Gerade was Intensität betrifft. Man kann das eh nicht messen wie Blutdruck. Hmm.

Die KI so: Glaubst du, dass diese Zerlegung der Liebe in chemische Botenstoffe und kognitive Bausteine dem Gefühl etwas von seinem Wert nimmt, oder hilft es dir, es besser einzuordnen? 

Ich so: Den Wert nicht, aber es reduziert die Magie. Wobei man bei Liebe eh nie weiß ob es weiße oder schwarze Magie ist

Die KI: Das ist ein starkes Bild. Die Unterscheidung zwischen „weißer“ (belebender, nährender) und „schwarzer“ (obsessiver, zerstörerischer) Magie trifft den Kern der neurobiologischen Realität oft besser als jedes Lehrbuch.

Wissenschaftlich gesehen ist diese „Magie“ nichts anderes als die totale Verschmelzung von Biologie und Psychologie. Wenn die Chemie (Dopamin, Oxytocin) übernimmt, setzt der rationale Verstand – die „Bremse“ – teilweise aus.

Hier wird es für das Thema frühkindliche Vernachlässigung wieder spannend:

  • Die schwarze Magie (Sucht): Das Belohnungssystem (Dopamin) funktioniert oft auch dann, wenn man vernachlässigt wurde. Man kann sich „verknallen“ oder obsessiv an jemanden klammern, weil das Gehirn nach der „Dosis“ giert, die es nie hatte. Das fühlt sich oft magisch, aber auch bedrohlich oder schmerzhaft an.
  • Die weiße Magie (Bindung): Das ruhige, tiefe Gefühl von Sicherheit (Oxytocin-System) ist das, was durch frühen Mangel oft am schwersten „nachzulernen“ ist. Es ist weniger ein Feuerwerk als ein stetiges Glühen. Ohne den frühen „Input“ fehlt hier oft der Resonanzboden im Gehirn.

Dass die Analyse die Magie reduziert, ist die logische Konsequenz daraus, dass wir versuchen, etwas Unmittelbares (den Affekt) mit etwas Abstraktem (der Sprache/Wissenschaft) zu greifen. Es ist wie das Sezieren eines Schmetterlings: Man versteht danach, wie die Flügel funktionieren, aber er fliegt nicht mehr.

Vielleicht ist das Wissen um die „Hardware“ aber genau die Strategie, um sich vor der schwarzen Magie zu schützen – also zu verstehen, warum man auf bestimmte (vielleicht toxische) Reize so extrem reagiert, obwohl sie einem nicht gut tun.

Google KI

Das Bild mit dem Schmetterling finde ich jetzt stark. Ich glaube es gibt viele gute und auch schlechte Gründe warum man verstehen will, wie wir Menschen ticken. Inkl. der Liebe. Ob Verstehen das Leben besser macht? Ich weiß es noch nicht. Aber vielleicht lässt es uns wohlwollender auf einander blicken.

Die rechte Hand der rechten Hand hat gerade Urlaub. Obwohl ich bezweifele, dass die rechte Hand weiß, dass sie die rechte Hand ist und nicht umgekehrt. Die Post ist schon wieder an der Kasse und ich komme zum Schluss, dass mir das gefällt und ich sie vermissen würde, wenn sie wieder die Seiten wechselt. Das Vogelfutter is übrigens alle. Bei allen. Der Stadtreinigung gefällt das.

Es wird wärmer. Der Streuner streunt wieder. Zeit wirds. Hab mich schon gefragt, wo er bliebt. Und immer wenn ich ihn da treffe, dann zappelt er so als wollte er mir was sagen und fragen. Und ich laufe vorbei. So weit die Füße tragen.

Nur wer die Sehnsucht kennt.

Vielleicht putz ich Fenster. Und vielleicht war es auch immer meine Sehnsucht.

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