Wenn du dachtest, du hast alles durchgespielt. Und dich dann doch wieder irgendwo wiederfindest, wo du noch nicht warst. Oder ich war schon mal da und habs verdrängt. Und schon bist du damit beschäftigt, dich vom Boden abzukratzen. Das Atmen nicht zu vergessen und rauf zu hoffen, dass der Autopilot das schon hinkriegt.
Ich war zu sehr damit zugange, meine Einzelteile zusammenzuhalten. Und ich hatte keine Rede vorbereitet. Also habe ich vieles nicht gesagt. Zumindest nicht mit Worten. Und all die Tage habe ich auch vergessen zu fragen wie es dir geht. Da ist er wieder der Punkt. Wenn man zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, kann man die anderen nicht sehen. Es ist kein Raum dafür da. Und wenn man zu sehr mit seinen eigene Emotionen kämpft, kann man Dinge nicht sagen, die man eigentlich im Kopf hat und gern sagen würde.
Und manchmal spricht man deshalb nicht mit Worten. Ich mag keine Umarmungen. Du auch nicht. Du hättest noch länger und noch fester drücken können. Ich hätte mich nicht beschwert. Und nein ich will mich nicht beschweren. Es war genau richtig so. Und eigentlich viel länger als es an diesem Ort erlaubt ist. Schmunzel.
Du hast Worte gefunden. Worte für meinen Schmerz. Ich lausche ihnen, aber ich antworte nicht. Nicht soweit ich mich erinnern kann. Nein, du bist nicht ersetzbar durch die anderen. Und wir können alles und jeden ersetzen. Aber gleichzeitig Menschen vermissen. Und das werde ich. Und ich vergaß es zu sagen. Nein, vergessen ist falsch formuliert. Ich konnte nicht. Und da ich das ahnte, habe ich es zumindest aufgeschrieben. In der Kiste gab es zwei Briefe. Robin hatte den offiziellen Teil. Und was Robin im Schnabel hatte, ist dafür gedacht, sich nicht nur über die Geschenke zu freuen, wo andere glauben, dass man die brauchen könnte. Obwohl ich hoffe, dass das Weihnachtsgeschenk seinen Platz gefunden hat. Es passt auch gut zu Ostern. Und ja ich hab auch einen – einen Schmetterling. Und dann ist da ganz unten noch ein zweiter Brief. Handschriftlich. Weil mir die Druckerpatrone ausgegangen ist. Das hat Zeit gekostet. Und auch den ein oder anderen Gedanken, den ich noch gern geteilt hätte.
Aber ich war auch schon gestern leer im Kopf. Die Woche war am Anschlag. Zu wenig geschlafen. Zu viel unterwegs. Zu viel noch gesucht, was ich noch einkochen kann. Woraus ich noch was schnitzen, bauen oder sonst was machen kann. Und gleichzeitig auch planlos, ziellos umherwuselnd. Als ist man auf der Suche nach dem Großen etwas. Und eigentlich will man sich nur dazwischen schmeißen.
Ich höre deine Worte, dass man sich vielleicht ja noch mal sieht. Worte, die wir sagen, um uns Abschiede zu erleichtern. Und es funktioniert auch. Meist. Aber mir ist zu sehr bewusst, dass es eben so nicht kommen wird.
Und ja, jedes Wort, jede Geste. Ich will sie nicht hinterfragen. Ich will sie nicht zerdenken. Ich nehme sie. Wohlwollend und warm.
Und ich gehe und löse mich in alle Einzelteile der Welt auf. Und so geht es den Rest des Tages. Aber he, ich bin stolz, ich habs geschafft durchzuhalten bis ich aus der Tür war. Die letzten Tage ließen schon schlimmes befürchten.
Du trägst diese Wärme in dir
Das hat mich zu dir geführt
Diese Verbindung zu dir
Erstickte den Winter in mir
Ich verdank dir so viel
Aber wir wachsen nur durchs Verlieren
Brachtest die Hoffnung zurück zu mir
Er hat die Augen von dirIch wollte dir nie wehtun
Ich hoffe das verstehst du
Ich sollte nicht der Grund für deine Tränen sein
Ja, ich kam noch mal. Wie jeden Tag diese Woche. Und ja, ich wäre gern den ganzen Tag auf der Kaffeemaschine gesessen und hätte zugeschaut. Und da das nicht geht, konnte ich nur deinem „Wunsch“ entsprechen und noch mal kurz vorbeihuschen. Dank eines Kollegen ging das. Ne Stunde über berufliche Themen reden hilft dabei sich wieder zusammenzusetzen. Eigentlich wollte ich Meisenknödel. So gabs heute Mittag ne Extraportion Rosinen für die Vögel. Aber es ist kalt. Sie habens verdient.
Manchmal passieren Dinge, da glaubt man nicht an Zufall. Davon gab es mehrere diese Woche. Ich hab mal wieder an der Kasse etwas runtergeschmissen. Keine Absicht, einfach ungeschickt. Aber die Reaktion war anders. Und irgendwie ein Moment, der nicht nur vergangene Zeiten erinnert, sondern auch mir der stürmischen Ungeschicktheit warum und weich formuliert – um mal die Aussagen zu kombinieren – einiges umschreibt. Und genauso war die letzte Begegnung heute. Seit ca. einem Jahr haben wir uns nicht mehr gesehen, jetzt stehst du vor mir an der Kasse. Das letzte Mal als wir zu dritt an der Kasse standen, war es sagen wir mal etwas wild. Und ich wage die steile These, dass jeder mit seiner Reaktion damals nicht so zufrieden war.
Keine Ahnung, warum das Schicksal den Moment an dem sich unsere Wege für immer trennen so gestaltet. Die Schlange is mal wieder lang. Was auch klar ist zu der Uhrzeit. Und ich spüre die Vibes, dass gleich etwas großes passieren wird. Alle wuseln um die Kasse, beobachten. Tun heimlich. Ich wäre gern geblieben, um zu sehen wie sie den Abschied gestalten. Das hatte was von Überraschungsparty. Ich konnte mich immer noch nicht auf die Kaffeemaschine setzen. Und so werde ich nie erfahren, was passierte nachdem ich aus der Tür trat. Und ich hoffe du hast das getan, was ich die letzten Tage vergessen habe, dir zusagen. Aber vielleicht hat es ja gereicht es oft zu denken. Ich hoffe du hast sie auch gedrückt. Lang und fest.
Und anstelle zu sagen, dass ich dich vermissen werde, kommt so nur ein „Bis dann“.
Bis bald!
Mein Traum ist auf die Wirklichkeit geprallt
Der Versuch meine Einzelteile beim Laufen durch den Park bzw. beim Vögel füttern wieder zusammenzusetzen und Biochemie wieder einzugleisen verläuft erfolglos. Mein junger Nachbar ist mir zwei Mal über den Weg gelaufen. Ich glaub der is nachhaltig geschädigt. Lach. Ich bin mal wieder dehydriert. Mein Kopf schmerzt. Mein Körper eh an jeder Stelle.
Und in meiner Kiste nicht das große schillernde Geschenk dabei. Ich bin nicht schillernd. Und da waren Worte, dass da kein Platz ist für mich außerhalb diesen einen Ortes. Ich wollte nicht zu sehr ins Private mehr rein.
Es ist schon wieder spät. Und irgendwie werden ich trotzdem morgen wieder früh aufstehen. Die Sonne soll scheinen. Meine Vögel haben Hunger. Ich brauche ihren Gesang. Und dann werde ich vielleicht die übrige gebliebenen Teile der Hölzer für mich verwenden. Meine Haut und Nägel sind eh kaputt. Vielleicht mache ich aus dem Wurmloch eine Anhänger. Und vielleicht halte ich mich morgen auch einfach nur an einem Stück Holz fest. Und versuche mich mal wieder in der Gratwanderung zwischen gesund ausbluten und im Schmerz ersaufen. Wohl wissend, dass mit der Zeit Dinge verblassen.
Ich werd dich vermissen.
Wenn Dein bester Freund am Ufer steht
Das Schiff geht nicht zurück
Wenn der Wind die Haare so verweht
Verweht den letzten Blick
Für wen soll das toll sein
Wer gibt Dir frei
Wer macht alles Gute
Und wer macht alles Gute in zwei
Where is the good in goodbye
Wenn Dein bester Freund am Ufer steht
Wird blasser, klein und fern
In Deinen Nächten vorwärts geht
Das Wasser bis zur Stirn
Was ist das Ziel hier
Was ist schon dabei
Finde den Fehler
In jedem Detail
Where is the good in goodbye
Sag mir
Sag mir schnellWo ist zu Hause
Von wo wird es hell
Von wo wird es Tag hier
Wo kommt der Befehl
Maschinen auf Pause
Klar zum Sinken, Ahoi
Where is the good in goodbye
Kann mir irgendwer sagen
Was der Plan gewesen sei
Macht irgendwas Sinn
Irgendwie, irgendwo
Zwischen Rio und Shanghai
Where is the good in goodbye
Sag mir
Sag mir schnell
Wo ist zu Hause
Von wo wird es hell
Von wo wird es Tag hier
Wo kommt der Befehl
Maschinen auf Pause
Klar zum Sinken, Ahoi
Where is the good in goodbye
Woooooooooooh
Where is the good in goodbye
Woooooooooooh
Where ist the good in goodbye
Where is the fucking good in
goodbye
Wenn es einfach immer weiter geht
Durch Nebel, Schall und Rauch
Wenn Dein bester Freund kein Freund mehr ist
Nur ein Loch im Kopf und im Bauch
Was kommt am Ende
Was geht vorbei
Ist was dann danach bleibt
Was immer es sei
a good in goodbye
a good in goodbye
a good in goodbye