Eigentlich bin ich ja kein Freund von Simons Videos. zumindest nicht, wenn es um Beziehungen und Co geht. Und damit kann man nen großen Markt bespielen und das tut er auch. Und gleichzeitig glaube ich, dass vieles von dem vermeidlichen Wissen zwar dem aktuellen Stand der „Forschung“ (sorry aber bei Psychologie setze ich das bewusst in Klammern, weil da is auch viel Voodoo und Interpretation und rate mal mit Rosenthal dabei) basiert, aber wirklich sinnvoll anwendbar für alle die einsamen/ fragenden Herzen sicher nicht. Gerade das Video zu Bindungsstilen fand ich wild. Weil Mama nicht lieb genug zu mir war, bin ich beziehungsunfähig. Ich sach mal so: Wenn die Natur so wenig resilient wäre, wären wir schon längst ausgestorben. Aber das is ein anderes Thema.
Heute hat er mal ein Video über 10 Regeln gemacht, die er für sich aus seinem Studium abgeleitet hat. Und eine von Freud inspirierte Regel is zum Glück nicht dabei. Aber gehen wir mal Regel für Regel durch und quaken unseren Senf dazu.
1. Was du benennen kannst, kannst du regulieren
Bevor er loslegt, sage ich schon mal Quark. Wenn der Mensch so simpel gestrickt wäre, wären all die Psychologen arbeitslos. Es ist sicher hilfreich, diffuse Gefühle konkreten Dingen / Ereignissen/ Gedanken zuzuordnen, aber damit kannst du noch lange nix regulieren. Und nur weil ich mir eine Erklärung zurechtgelegt habe, kann ich es noch lange nicht meistern. Mein Hirn is nur still, weil es erstmal ne Antwort auf ein Warum hat. Aber das muss noch lange nicht die richtige Antwort sein.
Wobei ich die Studie interessant finde, dass das Aufschreiben von Gedanken/ Gefühlen so viele positive Dinge bewirken kann. Und ja, ich sage bewusst kann. Weil und das sagt Simon nicht, es waren sicher keine 100 der Teilnehmer bei denen alle Punkte zutrafen.
Und ja ich glaube schon, dass Reflektieren und dazu gehört das Niederschreiben helfen kann. Uns und unsere Welt zu sortieren. Da waren wir glaube auch schon mal. Sprich ich will diesen Punkt nicht kaputt reden, ich mach das ja selbst. Und niederschreiben erlaubt noch mal anders zu reflektieren als Selbstgespräche, wo man Gedanken verlieren kann. Beim Schreiben hast du besseren Zugriff auf das was du vor 2 Min gedacht hattest. Aber trotzdem schreib auf und alles is rosa, is eben nicht. Da fehl mir die Einordnung.
Affect Labeling klingt interessant, also Gefühle benennen, aber da gibs nicht mal nen deutschen Wikipedia Eintrag zu. Was für mich einfach ein Hinweis ist, wie wichtig / fundiert etwas ist.
Studien zeigen, dass schon das Benennen von Gefühlen eine tiefgreifende Wirkung auf das Nervensystem haben und die Stressreaktion des Körpers sofort dämpfen kann. Und es gibt einen Namen dafür: Affect Labeling.
Warum es wirklich hilft, wenn du über deine Gefühle redest
Wenn ich sage, ich habe Angst, habe ich übrigens immer noch Angst. Und wenn ich über meine Gefühle rede, ging das bisher auch nie positiv aus. Ich mein ja nur. Ich find jetzt nicht wirklich viel. Vielleicht mal wann anders.
2. Dein Gehirn entspannt, wenn es aufhört sich selbst zu beobachten.
Je mehr man sich selbst reflektiert, sprich man nachgrübelt, um so unzufriedener ist man. Weil wir – wahrscheinlich aus sozialen Gründen – eben nicht nur die Dinge reflektieren, die gut sind oder was die anderen alles positives über uns denken. Und ja das Hirn macht das meist, wenn es nicht beschäftigt ist. Wenn man das Hirn mit was anderem beschäftigt, hat es keine Zeit dafür. Und schon sind wir entspannter. Theoretisch.
Ich habe da noch andere Gedanken zu.Unabhängig davon, dass wenn man sich mehr mit anderen beschäftigt, man sich weniger mit sich beschäftigen muss, glaube ich, dass wenn man zu sehr in sich festhängt, man die anderen gar nicht mehr sehen kann. Weil man gar nicht mehr rauskommt aus diesem Blick auf die Welt. Man kann gar nicht mehr drüber gucken. Man kann nicht mehr empathisch sein. Man sieht den anderen nicht. Vielleicht hat man auch nie gelernt ihn zu sehen.
Und gleichzeitig ist es so, wenn man zu viel nur auf die anderen schaut, dann verliert man sich selbst auch. Oder man weiß gar nicht mehr wer man überhaupt ist und was die eigenen Bedürfnisse sind.
Die Kunst ist es wie immer dieses Mittelmaß zu finden.
3. Was du vermeidest, beherrscht dich. Was du angehst, verliert seine Macht.
Gut ich kann der Argumentation folgen, dass gerade bei Angst, die Vermeidung von Angst machenden Situationen dazu führt, dass Angst nicht kleiner wird, sondern eher größer. Und ja, die Dinge, die er nennt, kennen wir aus der Angsttherapie. Waren wir schon. Wie gehts Borwin so?
Die Lösung ist sich den Gefühlen, die wir nicht fühlen wollen, zu stellen, sich den Ängsten, die wir haben, zu stellen, nicht von 0 auf 100, aber durch kleine machbare Schritte.
Die 10 wichtigsten Regeln fürs Leben, aus 5 Jahren Psychologiestudium
Ja is ein Punkt, aber wie stark diese Gefühle wahrgenommen werden, is auch individuell. Da ticken die Körper/ Hirne auch verschieden. Was dann auch wieder zu unkontrollierbaren Reaktionen führen kann. Sprich ja, der Punkt ist wichtig und wir sollten uns das alle bewusst machen und können auch für uns selbst bestimmte Dinge angehen. Aber es ist eben auch nicht so leicht.
Ich find sein Beispiel „Ich hatte Angst nen Youtube Kanal zu eröffnen“ zwar nur bedingt hilfreich für Menschen die in alltägliche Situationen Angst empfinden, aber ja oft vermeidet man aus Angst Dinge, die das Leben sehr positiv beeinflussen könnten. Muss nicht, aber kann.
4. Deine Muster sind Lösungen für Probleme, die du vergessen hast.
Klingt hochtragend, is aber nix anders als die Automatismen in uns, die aus Erfahrung gelernt haben und das jetzt als Schablone über neue Situationen packen und das muss halt nicht immer passen. Und ja ab und an macht es Sinn sich und seine Gedanken/ Verhaltensweisen noch mal zu hinterfragen. Da sind wir auch wieder bei Punkt 1. Die Erklärungen, die wir uns mal zurechtgebogen haben, müssen nicht stimmen und schon gar nicht auf die neue Situation zutreffen. Und dann haben wir auch noch die Neigung zu generalisieren. Also bestimmte Reaktionen einzelner Menschen auf alle zu übertragen und zu sagen, alle sind so. Oder auf zukünftige Situationen zu übertragen „das is immer so“. Schlimme Sache, aber so können wir uns einfach zurechtfinden in der Welt.
Wobei das zu ändern auch verdammt schwer is. So ein Hirn programmierst nicht einfach so um. Du muss bewusst versuchen, Dinge anders zu machen. Wäre jetzt echt spannend zu wissen, wie er seine Konzentrationsprobleme gelöst hat. Wenn die eben nur ein Resultat einer als Kind erlernten Reaktion auf Stress waren.
Und gerade als Kind entwickeln/ lernen wir manchmal Strategien, die in dem Moment eine gute Lösung waren, aber es später nicht mehr ist. Aber eben festgefahren und eingebrannt ist. Und es is harte Arbeit das zu ändern.
5. Freiheit beginnt, wo Identifikation endet
Ja es ist besser keiner Gruppe anzugehören. Wir kennen das Thema. Aber du erkaufst dir mit der Freiheit also auch Einsamkeit. Muss man auch wollen.
Ach das meint er gar nicht. Wir sollen weniger negative Glaubssätze über uns täglich vor uns hin plappern. Und wenn, dann eben wahrnehmen und registrieren, dass das nur Gedanken sind. Beobachterrolle. Waren wir schon, kennen wir. Aus der Achtsamkeit. Is okay. Haben wir durchgespielt. Kein Allheilmittel, wie es eben eh gar keins gibt, aber hilfreiches Werkzeug.
6. Gewohnheiten folgen dem Schema Auslöser, Verhaltenbelohnung
Kommen wir nun zum Dopamin. Fein. Wobei der Tipp durchaus gut is
Anstatt zu hoffen, dass du plötzlich mehr Disziplin hast, designe die Umgebung so, dass das richtige Verhalten automatisch wird.
Die 10 wichtigsten Regeln fürs Leben, aus 5 Jahren Psychologiestudium
7. Menschen brauchen Bindung wie Luft zum Atmen
Würde ich anders formulieren, aber ja Menschen sind keine Einsiedlerkrebse sondern soziale Wesen. Is tief in uns drin. Is auch ein Grund warum wir so viel grübeln. Aber darum gehts grad nicht, sondern darum dass unsere Biochemie auch darauf ausgelegt ist und auch unsere Automatismen. Der Sinn des Leben. Fortbestand der Rasse sichern. Mit eigener Reproduktion und mit Schutz der Gruppe. Ich würde das nicht zwingend Bindung taufen. Wobei man das so definieren kann, dass Bindung die Mechanismen sind, die uns zum sozialen Wesen mach und an anderen „koppeln“. Ob jetzt über Biochemie oder automatisiertes Handeln oder Gruppendenken. Dieses Feld is so fucking breit. Und ja die wenigsten Menschen hab das auf dem Schirm. Und das es nicht nur die Bindung zum Partner/ den Kindern umfasst. Sondern auch all den Kulturkampf. Aber wir kommen ab.
8. Echte Verbindung braucht echte Verletzlichkeit
Interessante Formulierung. Denk. Jetzt mal nur der Satz. Er klingt für mich schräg mit dem „braucht“. Aber ich glaube ich weiß, was gemeint ist. Echte Bindung heißt irgendwo auch sich komplett fallen zu lassen und auch eine Abhängigkeit einzugehen. Auch Biochemisch. Und ja das macht alles verletzlich.
Wobei Simon einfach nur meint, dass man bei emotionalen Reaktionen schauen soll, woher sie kommen, welches Bedürfnis dahintersteckt.
Ich widerspreche übrigens der These, dass wenn wir nur richtig unsere Gefühle kommunizieren, dass dann alles gut wird. Weil der andere unsere Verletzlichkeit erkennt. Nicht jeder kann damit umgehen. Aus verschiedenen Gründen. Dieser These liegt mal wieder die Annahme zu Gründe, dass andere denken wie wir selbst. Das muss aber nicht zutreffen.
9. wie du dein Körper behandelst, so denkt dein Geist.
Nur in einem gesunden Körper, wohnt ein gesunder Geist. Schön, dass wir drüber gesprochen haben. Ja Sport hilft auch bei mentalen Problemen. Kann Depressionen reduzieren etc. Bringt deine Biochemie wieder ins Gleichgewicht. Und so weiter. Wofür man heute alles studieren muss. Spannend.
10. Deine Überzeugungen erfüllen sich selbst, deshalb wähle sie weise.
Is ein Punkt, über den ich durchaus öfter nachgedacht habe. Diese selbsterfüllenden Prophezeiungen. Anders anders gesagt, wir steuern uns dann auf ein bestimmtes negatives Ziel hin. Und am Ende sagen wir „ja war ja klar“. Ich glaube zwar nicht, dass man nur positiv denken muss und dann erfüllen sich die selbsterfüllenden Prophezeiungen halt zum guten hin. So einfach is das glaube nicht, wie uns die positive Psychologie das gern vermitteln will. Aber ich glaube schon, dass wir uns je nach Überzeugung in eine bestimmte Richtung verhalten und das das dann auch ausstrahlt. Und zu bestimmten Folgereaktionen anderer führt. Aber wir steuern die Welt eben auch nicht allein. Nur weil ich positiv eingestellt bin, gewinne ich auch nicht im Lotto. Ich kann vielleicht den Job oder die Frau eher für mich gewinnen, weil ich überzeugender, lockerer rüberkomme, aber es gibt keine Garantie. Und das gleiche gilt ach für die Gegenrichtung. Da sind immer noch andere Mitspieler und oft ne Portion Unberechenbarkeit und Zufall im Spiel. Wir können nicht alles kontrollieren.
Aber ich glaube die wenigsten von uns sind 100% negativ. Irgendwo ist immer dieser Funke Hoffnung, den wir in uns tragen, dass es doch anders kommt als wir in unserer Überzeugung vor uns hinbrubbeln.
Fazit: Die Punkte an sich sind okay. Und sie können helfen sich selbst und andere und das Leben zu verstehen. Sie sind aber keine Allheilmittel. Und oft auch nur sehr grob angerissen und somit für den Laien schwer nachvollziehbar, was da wirklich hintersteckt. Wenn man sich nicht schon auf anderem Wege mit den Themen befasst hat.
So ich hab mir in den letzten zwei Wochen bestimmt wieder 5 Kilo angefressen. Und Joggen is grad auch nur bedingt möglich. Zu lange nicht mehr gemacht. Jetzt tun mir die Waden weh und wirklich leichtfüßig geht nix mehr. Wobei nach dem Radfahren irgendwie schon. Ich jogge jetzt nur noch nach dem Radln. Und vielleicht esse ich wieder weniger.