Sympathische Freundschaft

Ich weiß Fritze, Freundschaft heißt nicht aufeinander rumzutrampeln, so dass man total zerknautscht und in Einzelteile zerfallen, entsorgt werden muss. Tut mir leid. War ein Versehen. 🫣 Ehrlich. Das is jetzt doof gelaufen. Ja ich weiß nicht alles kann man mehr reparieren. Manchmal is kaputt eben kaputt. Aber was liegst auch im Weg rum. Schuldumkehr? Argh.

Lass uns aber mal über Freundschaft reden. Was braucht Freundschaft? Was braucht Zuneigung? Was braucht Liebe?

Beruht Freundschaft ausschließlich auf Gemeinsamkeiten? Bedeutet Freundschaft, herauszufinden, was der andere mag, um dann genau das zu tun? Bedeuten Zuneigung und Liebe, dass man sie sich erarbeiten muss? Oder dass sie nur funktionieren kann, wenn man gleich ist?

„Wir gehen davon aus, dass es sich bei Homophilie als Strategie für die Partnerwahl um ein generelles biologisches Prinzip handelt, das tief in der Evolution von Menschen und Tieren verankert ist“, sagt Oliver Schülke, Wissenschaftler in der Abteilung Verhaltensökologie an der Universität Göttingen und Leiter der Studie. Es haben also diejenigen Individuen einen Vorteil, deren Partner einen ähnlichen Charakter haben. „Ein Grund könnte sein, dass ähnliche Persönlichkeiten auch ähnliche Bedürfnisse haben, sich besonders gut verstehen, effektiv kommunizieren und damit erfolgreichere Kooperationspartner sind“, sagt Schülke. Ob Koalitionen gleichartiger Persönlichkeiten tatsächlich siegreicher aus Kämpfen hervorgehen und damit länger einen hohen Dominanzrang verteidigen können, soll in einer Folgestudie untersucht werden.

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Wobei das bei Primaten am stärksten ausgeprägt ist, je ähnlicher sie sich im Punkt Geselligkeit sind. Zwei Einzelgänger können genauso gute Kumpel sein, wie zwei Partyhengste.

Die Wissenschaft sagt jedenfalls heute

Soziale Homophilie zeigt die Tendenz von Individuen, andere Menschen zu mögen und mit ihnen zu interagieren, wenn ihnen diese ähnlich sind. Dies im Sinne von gemeinsamen Attributen wie Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder ähnlichen Werten, Haltungen und Überzeugungen.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Vom Charakter steht da aber nix. Und das hätte ich unter „Gegensätze ziehen sich an“ verstanden.

Die Ergebnisse belegen, dass auch Vorschulkinder in ihrer Kindergartengruppe eher Freundschaften zu Kindern des gleichen Geschlechts pflegen. Gleichzeitig zeigt sich im Kontrast zu den Studien über die Kontakte älterer Kinder, dass weder ein gleicher ethnischer Hintergrund noch eine ähnliche ökonomische oder kulturelle familiale Kapitalausstattung Freundschaften zwischen Vorschulkindern wahrscheinlicher machen.

Homophilie im Kindergarten? Freundschaften im Jahr vor der Einschulung

Wieder nix vom Charakter. Das hätte mich interessiert. Dass in der aktuellen Zeit im Kindergarten die Geschlechterrollen bis zum Erbrechen ausgespielt werden, is bekannt. Liegt auch an der Spielzeugindustrie, die das befeuert. Und an kulturellen Einflüssen die Unterschiede der Geschlechter stark betonen – Thema Migration. Aber wir sehen schon mal, dass Kinder da sehr offen sind was Status und Ethnie betrifft. Wenn wir älter werden, kommt der Status halt mehr ins Spiel.

Ich glaube, dass Sympathie unabhängig von Gruppenzugehörigkeit und Ähnlichkeit sein kann. Sonst würden wir uns nie vermischen. Ich glaube, dass die Evolution da durchaus Interesse dran hat. Das Neue, das Andere es macht uns zwar Angst, weil es immer Gefahren birgt, aber es fasziniert uns auch und macht neugierig. So fix und in Stein gemeißelt ist es nicht.

Und ich wage die steile These, dass an allen Sprichwörtern was dran ist. Und ja der Volksmund sagt „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Er sagt aber auch „Gegensätze ziehen sich an“. Warum soll beides nicht wahr sein? Gleichzeitig gültig? Weil wir immer nur zweidimensional denken? Schwarz-Weiß? Entweder oder?

Ich mein, heute können wir uns nur mit Menschen umgeben, die gleich sind. Subkulturen bilden und so weiter. Multikulti is da ja selten. Nein Grüppchenbildung. Aber früher als wir in Horden lebten. Man geht davon aus, dass das so auf 100 Personen begrenzt war. Die hast dir nicht aussuchen können. Und die waren auch nicht gleich. Vielleicht von der Kultur/ den Werten. Der Zugehörigkeit zur Gruppe. Meine Leute, wie der Bayern sagen würden. Und die anderen da drüber in der Nachbarhöhle sind die Feinde. Aber bleiben wir bei den 100 Leuten des eigenen Rudels, da habs Hierarchien. Und ja, die konntest auch nicht mixen. Und die Männer haben ihr Männer Ding gemacht und die Frauen ihr Frauen Ding. Und dann saßt du da mit den Weibern deiner sozialen Klasse. Und da waren dann auch unterschiedliche Charaktere dabei. Und die konntest nicht nur einfach doof finden.

Also ich weiß nicht. Das is doch wieder alles so generalisierend. Es mag sein, dass Gemeinsamkeiten manches einfacherer machen und wir deshalb auch eher zusammenfinden, wenn wir mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben. Aber das heißt ja nicht, dass dennoch Menschen zusammenfinden, die sich eben eher ergänzen durch ihre Unterschiedlichkeit. Unterscheide können abstoßen oder einen Part untergehen lassen, können aber auch, wenn bewusst und respektvoll gelebt, eben zu was größerem führen. Zumal dieser Spruch „Gegensätze ziehen sich an“ ja auch nie behauptet hat, dass es nix anderes geben und wir immer nur den gegensätzlichen Menschen suchen. Vielmehr ist es doch einfach nur eine Beobachtung. Eins Phänomens, dass sich gegensätzliche Menschen durchaus interessant finden können. Beide Sprüche sind Beobachtungen.

Aber wir müssen dann immer wieder sowas absolutes draus machen. Und das gilt bei vielem. Und auch all diese Ratgeber. Ich hab die Lösung und das richtige Wissen. Punkt. Wah Wah Wah. Aber weil wir eben alle ein Unsicherheit in uns tragen, die nach Sicherheit strebt. Ständig auf der Suche nach Erklärungen, die uns die Welt beschreiben, Hört man ihnen gern zu. All diesen Ratgebern. Und wenn dann auch noch wissenschaftliche Konzepte dahinter stehen, dann is die Welt einfach so schnell monokausal.

Aber ja ich will nicht abstreiten, dass Ähnlichkeiten/ Gemeinsamkeiten hilfreich sein können. Oft lernt man das auch in Kindheit/ Jugendalter. Und plötzlich haben sie ganz andre / neue Interessen als gestern. Verändern sich. Wollen bestimmten Personen ähnlich sein. Manchmal schießt es dann übers Ziel hinaus. Manchmal begegnen einen die Jugendlichen, wo man sehr deutlich erkennen kann, wer Vorbild ist und wer die Kopie. Und wenn man nicht aufpasst, verliert man sich. In seiner Unsicherheit und beim Wunsch genauso zu sein wie jemand anderer. Am Ende weiß man gar nicht mehr, was einem selbst gefällt und was nicht. Aber wir tun es, um Menschen zu gefallen.

Grundlegende Werte zu teilen, ist glaube schon wichtig. Egal ob in Freundschaften oder Beziehungen. Aber das sind dann eher so Sachen wie „Du sollst nicht steilen“, „man ist für Freunde da“, „man nutzt andere nicht aus“. Und ich behaupte, das tun eh die meisten. So und dann wirds spannend. Kommen wir zurück in den Kindergarten. Was wollen wir als Kind von unseren Freunden und unterscheidet es sich sich von dem was wir als Erwachsene wollen? Wollen wir als Kind nicht einen Spielkameraden, mit dem wir die Welt entdecken können? Möglichst mit Spielen, wo wir uns auch wohlfühlen/ mit zurecht kommen. Die Zeit, die wir dann miteinander verbringen, sollte schon zum Großteil mit Dingen gefüllt sein, die uns nicht schwer fallen. Und genauso wollen wir Fehler machen können, ohne ausgelacht zu werden. Wollen auch mal getröstet werden. Wollen jemanden an unserer Seite, wenn sich jemand uns in den Weg stellt. Und genauso an der Seite des Freundes stehen.

Wenn ich an meine Freundin aus Kindertagen denke, so waren wir vom Charakter schon unterschiedlich. Und sind es wohl immer noch. Und auch unsere Interessen waren nicht zwingend gleich. Und auch bei den schulischen Leistungen waren wir unterschiedlich unterwegs. Und dann hat sie mich verlassen. Wegen einer anderen. LOL. Naja, gleich und gleich gesellt sich dann halt doch gern. Lach. Nein, wir hatten Phasen, wo sie mit anderen unterwegs war. Und auch unsere Leben haben sich total in andere Richtungen bewegt, aber irgendwie haben wir uns auch immer wieder gefunden. Und sie ist der einzige Mensch aus meiner alten Heimat, zu dem ich noch Kontakt habe. Ich würde behaupte, dass sie gewissen Muster bei mir mehr geprägt hat, als meine Mutter. Aber ich will jetzt nicht die Bindungstheorie sprengen. LOL. Ich komme vom Thema ab.

Unabhängig von Erfahrungen, ändern wir Menschen uns ja. Auch unsere Bedürfnisse.

Also Fritze, was verstehe ich eigentlich im Moment unter Freundschaft? In meiner jetzigen Lebensphase. Ich glaube was schon immer galt, ist eine gewisse Bodenständigkeit, ein zum Leben dazugehören. Jenseits von Events. Und Unternehmungen. Ich definiere ja Freundschaften auch jenseits loser flüchtiger Bekanntschaften. Auch wenn man die vielleicht täglich sieht. Freundschaft hat eine gewisse Tiefe und Nähe. Sich entspannen und wohl fühlen. Ja eben auch einfach sein und schweigend auf ner Bank sitzen oder Couchpotato spielen. Ich bin kein Freund von diesem „wichtig sein“. Diesem Streben, das vor allem Frauen haben, dass man für einen anderen Menschen wichtig ist. Vielleicht ist das so, weil es eben doch eine zentrale Rolle spielt. Dieses „irgendwie dazugehören“. Nicht einfach austauschbar zu sein. Oder eben wichtiger als die Couch zu sein.

Aber ich glaube, was bei mir jetzt mit zunehmenden Alter wichtiger geworden ist, ist dieses auch mal selbst verstanden zu werden. Die eigenen Ängste, Gedanken, Bedürfnisse. Jemand, der den Wunsch hat, auch in mich zu tauchen und zu verstehen. Nicht nur selbst verstanden zu werden. Was aber auch Vertrauen voraussetzt. Sich selbst öffnen zu können / zu wollen. Vielleicht sind wir da wieder bei Sympathie. Wo Sympathie nicht gleich Vertrauen ist. Sympathie kann ein Türöffner sein. Vertrauen braucht aber mehr.

Und nein Freundschaft ist für mich nicht, gleich zu sein, gleiche Hobbys zu haben etc. Das war irgendwie nie bei mir der Fall.

Die Psychologie versucht auseinanderzunehmen, wie wir unsere Partnerwahl treffen etc. Und fleißige Influenza verkaufen das dann auf Youtube. Besser als jede Frauenzeitschrift. Aber ich musste letztens an diese komische Fernsehsendung denken. Hochzeit auf den ersten Blick. Wissenschaftliche Analysen matchen die SIngles. Die Erfolgsquote ist allerdings nicht so berauschend. Vielleicht ist da halt doch noch mehr. Als wir wissen. Mal ganz zu schweigen von Biochemie.

Das Leben lässt sich nicht in Schablonen pressen. Und Menschen schon gar nicht.

Spiegel ich mich in Pfützen
Erkenn ich mich nicht
Schau ich mir in die Augen
Seh ich ein fremdes Gesicht

Ich habe mir viele Fragen
Doch ich antworte nicht
Und höre ich meine Stimme
Weiß ich nicht wer da spricht

Ich wünschte ich würd mich mal wieder sehen
So wie einen guten alten Freund
Der mich versteht

Wenn ich mein Freund wär
Würde ich wissen wer ich bin
Wenn ich mein Freund wäre
Könnte ich mich mehr verstehen
Wenn ich mein Freund wär
Dann würde ich mich streiten
Würde ich all die Fragen klären
Weil ich mein Freund wär
Wenn ich mein Freund wär
Wenn ich mein Freund wär

Wenn ich mein Freund wär
Könnte ich mich mehr leiden
Ich würde hinter mir stehen
Auch in schlechteren Zeiten

Wenn ich mein Freund wär
Wär mehr Vertrauen in mir
Ich wäre zu mir nicht so hässlich
Noch viel fairer zu dir

Wenn ich mein Freund wäre
Würde ich wissen wer ich bin
Wenn ich mein Freund wäre
Könnte ich mich mehr verstehen
Wenn ich mein Freund wär
Dann würde ich mich streiten
Würde ich all die Fragen klären
Weil ich mein Freund wär
Wenn ich mein Freund wär
Wenn ich mein Freund wär

Wenn ich mein Freund wär
Würde ich mehr an dich denken
Ich denk an dich
Dass du in dir gräbst
Und deinen Freund erblickst
So wie du wirklich bist
Jeder sich stützt und hält
Und wir uns besser kennen als uns selbst

Wenn ich mein Freund wär
Würde ich wissen wer ich bin
könnte ich mich mehr verstehen
Wenn ich mein Freund wär
Würde ich an dich denken
Dann würde ich wissen wer ich bin
Und ich wüsste wer du bist

Wenn ich dein Freund wär
Dann könnte ich mich mehr verstehen
So wie du wirklich bist
Dann würde ich mich streiten
Würde ich all die Fragen klären
Weil ich mein Freund wär
Wenn ich mein Freund wär
Wenn ich mein Freund wär

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