Liebe und Trauma

Philipp der Dritte, seines Zeichens Youtube-Psychotherapeut ohne Patientebewertung mit geheiltem Kindheitstrauma, sagt dass man zur Heilung neben Therapie auch Liebe braucht. Also echte Liebe. Nicht wieder das, was einen aussaugt. Aber das ist ein anderes Thema. Aber wie kann man Liebe reinlassen, wo keine Emotionen reindürfen. Weil was mir bei PTBS und Soldaten extrem im Kopf geblieben ist, ist das irgendwie gefühlt alle Beziehungen kaputt gingen und zum Teil körperliche und emotionale Nähe überhaupt nicht ertragbar war. Also sammeln wir noch mal zusammen.

Um soo betrüblicher, weil neben der Therapie heilt nichts so gut und tut so gut wie aufrichtig und von ganzem Herzen geliebt zu werden und in der liebevollen Wärme zu leben. Es klingt vielleicht ein bisschen pathetisch, aber es ist wirklich so wenn man Traumatherapie versteht, wenn man Psychotherapie macht, es geht eigentlich immer um die Polarität von Hass und Gewalt und Liebe und Menschlichkeit. Und natürlich müssen wir zur Heilung auch Liebe und Menschlichkeit dazunehmen. Und deshalb schon mein erster Punkt in diesem Video: wenn ihr ganz viel auf die Nase gekriegt habt, hört nicht nicht auf eure Sehnsucht nach Liebe zu kultivieren.

Wenn ihr eine belastete Kindheit habt oder eine traumatische Kindheit, garantiere ich euch, ihr werde das gleiche Material was auf eurem Entwicklungsniveau und Entwicklungsstand ist anziehen und mit nach Hause nehmen

Wie komm ich in eine gesunde Liebesbeziehung?

So weit Philipp, zu dem ich zwar auch wieder ne kritische Meinung entwickelt habe, aber die These ist okay. Wo wir auch wieder beim Thema traumatisierte Tiere sind. Kenne keinen Fall, wo man behauptet, dass man traumatisierten Tieren keine Liebe entgegengebracht hat, um sie zu „heilen“. Obs immer wirkt, is sich ne andere Frage. Und was wenn keine Liebe möglich ist, weil diese weggebissen wird?

Aber worum es mir jetzt geht, ist de Frage, ob Liebe überhaupt ihren Platz hat, wenn du unter Daueranspannung stehst. Überall Gefahr siehst. Entwickungstrauma und Kriegstrauma mögen sicher Unterschiede habe, aber für Trauma gilt, dass da immer Hypervigilanz ne Rolle spielt. Sprich man ist immer unter Strom, im Kampfmodus. Chronischer Stress. Chronische Anspannung. Und jeder, der schon mal stressige Phasen hatte, weiß dass man da aufgrund der Anspannung nicht nur Reizbar ist, sondern auch Nähe sich nicht gut anfühlen kann. Was auch irgendwie logisch ist, wenn man Kampfmodus is. Fass mich nicht an, sonst hau ich dir eine rein.

Und das bringt mich jetzt zu einigen Dokus von Soldaten mit PTBS. Also Posttraumatischer Belastungsstörung. Wobei mein Fokus hier auf dem Beziehungsthema liegt. Was auch zum Menschsein gehört. Auch wenn das der Bundeswehr egal is.

Fangen wir mal an

Das Schlimme ist, dass man das selbst nicht merkt. Dass nur gesagt wird, du bist so komisch, warum rastest du so schnell aus, was ist los. Man selbst kriegt das nicht so mit. Ich bin ausm Einsatz wiedergekommen, war innerlich zerstört. Sehr viele Gefühle hab ich im Einsatz unterdrückt. Damit sind auch die positiven Gefühle untergegangen. Mein Körper konnte das nicht mehr unterscheiden zwischen positiven und negativen Gefühlen.

Dominik

Alle KIs die ich frage, sagen man kann zum Arschloch werden mit PTBS. Aggressionen. Kontrollzwang, emotionale Taubheit. Und so weiter.

Dominik ist jung. Und man erfährt nur wenig, wie sich sein Trauma auf seine Beziehungen ausgewirkt hat. Nur in einem Nebensatz später, dass er eine neue Freundin hat nachdem zwei Beziehungen an seinem unkontrollierten Verhalten scheitererten. Wobei da seine Mutter ist, die mit all ihrer Mutterliebe ihr bestes versucht. Auch wenn sie damit hier und da auch nicht immer die goldene Mitte trifft.

Und da ist noch eine andere Mutter. Die von zwei kleinen Kindern.

Mein Mann hat sich unheimlich eine Tochter gewünscht. Ich habe die Hoffnung, dass das Mädchen, wenn es auf der Welt ist, dazu beiträgt, dass mein Mann gesund wird. Dass es ihn noch mehr motiviert, gesund zu werden. Dass dieses kleine, hilflose Wesen ihn so rührt, dass auch die positiven Gefühle wieder ausbrechen können.

Dagmar, Ehefrau von Peter

Man versteht die Hoffnung. Aber man ahnt das Ende. Ein kleines Wesen. Mittel zum Zweck. Was am Ende auch nur auf Hoffnung beruht. Aber was kann mehr Liebe geben und aktivieren als ein Baby. Das eigen Fleisch und Blut.

Aber was wenn dein Körper und dein Kopf nicht mitmachen?

Aber man kann sich annähern, indem man sich mal in den Arm nimmt. Oder indem ich meiner Frau einen Kuss auf die Wange gebe. Das sind die ersten Anzeichen an Fortschritten, die ich hier gemacht habe. Da bin ich total stolz drauf, dass ich das schaffe. Mehr ist noch nicht drin, mehr schaff ich nicht. Es ist auch nicht jeden Tag so, wo ich sie in den Arm nehmen kann oder ihr nen Kuss geben kann. Aber es sind Tage da, die sind für uns beide schön. Da freuen wir uns beide drauf.

Peter

Ich lass das mal so stehen

Es ist eine andere Form der Spontanität. Wenn heute nicht so ist wie gestern. Obwohl du dich gestern auf heute gefreut hast.

Es ist schon dazu gekommen, dass ich Stühle zertrümmert habe, rumgeschrien habe bis zum Gehtnichtmehr. Dass ich komplett ausgeschaltet war. Dass ich so ausgerastet bin. Dann sitz ich danach auf der Couch, guck mir das an, und das ist dann wie so n Scherbenhaufen. Der eigentlich immer nur mehr wird.

Dominik

Zum Glück waren es nur die Stühle, aber Dominik hat es geschafft. Ist auf einem guten Weg. Sagt seine Mutter. Hat auch wieder eine neue Beziehung. Nachdem die alten an seine Ausbrüchen gescheitert sind.

Bei Peter und Dagmar hingegen war die Entwicklung nicht ganz so wie geplant. Die Klinkaufenthalte werden immer länger und die Distanz immer größer.

Ich weiß, ich mach das seit nem halben Jahr schon alleine, ich kann das auch alleine bewältigen. Ich kann auch die Kinder alleine großziehen. Aber das war nicht die Lebensvorstellung.

Dagmar

Während Dagmar mit den beiden Kindern allein das Leben stemmt, stemmt sich Peter gegen seine PTBS. Die bei ihm stark von Schuld geprägt ist. Schuld des Versagens. Unser Körper hat verschiedene Modi für Gefahren. Eine davon ist einfrieren. Da kannst du nichts mehr machen. Egal ob du willst oder nicht. Gut, wenn ich an der Supermarktkasse einfriere is das ja da eine. Aber als Soldat is das nicht die Reaktion, die man zeigen sollte. Vor allem weil da mehr dran hängt als das eigene Leben. Und daran knabbert Peter.

Ich habs immer schön verdrängt. Ich wollte mich damit nicht auseinandersetzen. Ich wollte nicht als schwach dastehen. Ich hab mich von Einsatz zu Einsatz gekämpft. Um mir selber auch zu beweisen, du kannst das. Du kannst das aushalten, du bist stark genug.

Peter soll den Konvoi nach hinten absichern, und wenn das fremde Fahrzeug näher als 10 m kommt, schießen. Doch seine Hände zittern, er kann nicht abdrücken. Er versagt und setzt das Leben seiner Kameraden aufs Spiel. So gräbt es sich in seine Seele ein. Ich schäme mich für das, was ich gemacht habe. Ich mal mir das bildlich aus, was wäre passiert, wenn der uns angesprengt hätte und ich nicht geschossen habe. Dass ich dann für den Tod meiner Kameraden verantwortlich bin.

Der Verfolger verliert sich im Verkehr, die Situation geht glimpflich aus. Doch Peters Selbstbild ist zerbrochen, vielleicht für immer. Ich war immer stark, ich konnte mich durchsetzen. Ich hab von mir immer gesagt, ich bin der geborene Soldat. Mich kann nichts erschüttern. Mich kann nichts angreifen. Ich stand über den Dingen.

Peter

Wobei wenn man ihm jetzt zuhört und sieht, steht da eh kein harter Kerl. Das ist eine sehr weiche Stimme, Seele. Die Gestick und Mimik eher etwas von einem Menschen der beschützt und getröstet werden will. Irgendwie durchweg immer. Ich weiß nicht, ob er früher anders war. Anders aufgetreten ist, sich anders gegeben hat. Das heute ist kein harter Kerl. Aber vielleicht war er das auch nie. Vielleicht wollte er sich so nur sehen und gesehen werden.

Doch die Gefühle für seine Frau hat er noch nicht wiedergefunden. Das ist schon so, dass mir die Nähe fehlt. Mir tut das auch weh, muss ich ehrlich gestehen, wenn er mit Gordon so spielt, ihn in den Arm nimmt, ihn küsst. Und ich das alles nicht bekomme.

Ich habe immer gehofft, dass es besser wird. Aber ich habe mich nachher gar nicht mehr getraut. Ich hatte Angst, dass es immer schlimmer wird. Dass es immer verletzender wird, wenn man einen neuen Versuch startet, dem anderen nahe zu kommen. Und man wird abgewiesen. Irgendwann fängt man an, sich selber anzuzweifeln.

Wenn ich drüber nachdenke, kommt noch mehr hoch, wie sehr mich diese Gefühlskälte verletzt hat. Und ich merke, wie das in mir anfängt wehzutun. Und ich nirgendwo so was finde wie Freude, die wir noch hatten.

Dagmar

Ich stell mir das verdammt hart vor. Du sehnst dich nach der Nähe und alles was du bekommst ist Kälte. Und du weißt wie das mal war. Und da kannst dir zwar immer wieder sagen, das wird wieder weil das ist nur wegen der PTBS und da kann man was machen. Aber es wird eben nicht besser. Und du kannst nichts machen, außer zusehen und selbsteinfrieren.

Richtig lieben kann ich nicht mehr. Dadurch ist das im Endeffekt gekommen mit der Trennung. Weil ich mich dadurch immer mehr distanziert habe. Und Dagmar das gemerkt hat. Ich konnte sie nicht mehr in den Arm nehmen oder küssen.

Peter

Aber Liebe sollte dich heilen und nicht zerstört werden.

Eine Einbeziehung der Angehörigen in die Therapie der traumatisierten Soldaten sieht die Bundeswehr nicht vor. Dagmar fühlte sich ausgeschlossen und hat den inneren Kontakt zu ihrem Mann verloren.

Das hat mich immer weiter entfremdet. Ich war nicht mehr die Bezugsperson, mit der er über alles sprach. Das waren immer andere Leute. Sei es, irgendwelche Therapeuten oder Mitpatienten. Ich habe keine Rolle mehr in seinem Leben gespielt.

Dagmar

In jeder normalen Psychotherapie werden die Angehörigen mit reingezogen, und meist emm im schlimmsten Fall sind sie eh toxisch und man muss sich trennen oder so. Aber das is ein anderes Thema. Jedenfalls in normalen Therapien spielen Angehörige schon auch eine große Rolle, weil es geht ja auch um den Alltag. Klar Kriegstrauma, da gehts ja nur um Krieg, aber fuck die Probleme sind jetzt hier im Alltag. Wenn ich die Patienten dann in einer Klinik wegsperre und den Kontakt quasi auf Null runterfahren, dann muss ich nicht studieren, um zu wissen was da rauskommt.

Hoffen wir, dass Peter seine Liebe und seinen Weg wiederfindet und Dagmar jemanden für ihre kleine Familie findet, der Liebe geben kann. Die sie jetzt braucht.

Und dass Dominik seine Liebe weiter pflegen kann.

Manchmal kommt es noch ein bisschen durch. Aber in dem Moment, wo es da ist, weiß ich schon, was ich tue. Aber wo ich damals die Situation hatte, war es mir völlig egal, was danach ist. Die Konsequenzen waren mir auch total egal. Jetzt ist es mir nicht mehr egal.

Dominik

Kommen wir zu den nächsten beiden Herren

Beginnen wir mit der nächsten Scheidung.

Als Richter nach einigen Monaten zurück nach Deutschland kommt, ist zunächst alles wie immer. Aber ein halbes Jahr später fängt er an, schlecht zu schlafen, hat Albträume, Angstzustände, wird schnell aggressiv. Auch Richters Ehe zerbricht nach 21 Jahren. Das Paar hat zwei Kinder. Eine erste Traumatherapie muss er abbrechen, weil er noch nicht stabil genug ist.

Psychische Erkrankungen bei Bundeswehrsoldaten: Für viele hört der Krieg nie auf | DER SPIEGEL

Und er war noch nicht mal persönlich im Kampfeinsatz sondern hat „nur“ am Bildschirm im Kriegsgebiet ein unschönes Ereignis verfolgt. Das ist jetzt keine Wertung ihm gegenüber sondern nur eine Feststellung, wie schnell ein Leben im Arsch sein kann. Und da kannst nicht einfach ein Pflaster drauf kleben und dann is wieder alles gut. Du wirst nicht mal gescheit therapiert. Musst dir im zweifel selbst was suchen. Und dann auch hoffen, dass der dir helfen kann.

Jetzt geht’s zur Kasse. Für Richter ist das der schwierigste Moment. Ich habe auch ein großes Problem, wenn Menschen zu nah von hinten rankommen, weil da sofort die Anspannung steigt. Ich habe eine hohe Anspannung, ich kriege jetzt Herzrasen, ich fange an zu schwitzen.

Psychische Erkrankungen bei Bundeswehrsoldaten: Für viele hört der Krieg nie auf | DER SPIEGEL

Ja das mit der Schlange an der Kasse. I feel. Aber anders zum Glück. Das is schon echt hart. Wenn du Schwierigkeiten hast, deine Alltag auf die Reihe zu kriegen. Überall Gefahr. Da die Hoffnung und den Mut nicht zu verlieren, schwer. Und dann is auch noch deine Ehe im Arsch. So viel zur Liebe, die heilt.

Zehn Jahre voller Papierkram, abgelehnter Anträge und Widerspruchsverfahren liegen hinter ihm. Zu Beginn, erzählt Rau, musste er sich anhören, dass seine Scheidung ihn krank gemacht habe, nicht der Auslandseinsatz. Aktuell läuft wieder ein sogenannter Verschlimmerungsantrag, seit mittlerweile einem Jahr.

Psychische Erkrankungen bei Bundeswehrsoldaten: Für viele hört der Krieg nie auf | DER SPIEGEL

Ohh Scheidung next one. Und das is natürlich der Auslöser des Traumas. Alter Verwalter. Die KI meinte letztes, dass dt. Studien auch meinen, dass die meisten dt. Soldaten mit PTBS schon vor dem Kriegseinsatz belastet waren. Aha. Ein dt. Phänomen. Dann sollte man vielleicht vorher besser prüfen. Wenn man das hinterher auch so leicht feststellen kann. Hust.


Aber es geht auch anders. Zumindest Beziehungstechnisch.

Hunde haben sie irgendwie alle. Wobei unterschiedliche Rassen. Es ist nicht immer der Dienst-Schäferhund.

Wenn es mir dreckig geht, dann passen die Jungs auf mich auf und sie geben mir eine gewisse Ja. Schutz. Schutz würde ich es nennen. Schutz, Sicherheit. Ja.

Traumatisiert vom Einsatz: Wie Martin um seine Familie und sich kämpft I 37 Grad

Apropos Hunde. Hunde können echt helfen. Gerade Traumpatienten. Aber Hunde können auch die Emotionen übernehmen. Die hohen Stresspegel, die Angst. Gerade im Welpenalter kann das stark prägen. Und dann das Sozialverhalten beeinflussen. Angst = Kampfmodus = ich muss beschützen.

Und schon hat man eine sozial gestörten Hund. Glaubt man. Aber eigentlich is der treue Begleiter nur in dem gleichen Scheiß gefangen, wie man selbst.

Haben Sie auch Albträume? Ja, genügend Albträume. Und das hat auch Konsequenzen für meine Frau. Mhm. Sprich, äh, dass ich sie auch mal leider körperlich verletze, um mich schlage. Mhm. Auch mal gegen die Wand da haue im Schlaf.

Traumatisiert vom Einsatz: Wie Martin um seine Familie und sich kämpft I 37 Grad

Endlich mal keine Scheidung. Sondern eine Frau. Die genauso kämpft und auch viel aushalten muss.

Ich denke definitiv immer zuerst an mein Mann, wie geht’s ihm? Wie geht er damit um? Natürlich ist ja schwierig, wenn ich sage, okay, wenn ich nur an mich denken würde, dann wäre ich schon längst nicht mehr bei ihm. Na ja, ich fühle mich halt hilflos. Mir geht’s auch schlecht. Also klar, ich versuche immer für ihn stark zu sein und da zu sein, sagen, Mensch, wir kriegen das zusammen hin, aber man denke ich, es könnte alles so viel einfacher sein

Traumatisiert vom Einsatz: Wie Martin um seine Familie und sich kämpft I 37 Grad

Eigentlich brauch man da wohl auch selbst ne Therapie, um nicht auch zu zerbrechen. Und vor allem muss man auch der Gefahr entrinnen, nicht auch in diesen Sumpf mit runtergezogen zu werden. Wir Menschen neuen ja dazu uns anzupassen. Stimmungen etc von anderen zu übernehmen. Plötzlich bist du selbst genauso lustlos. Ziehst dich zurück. Nimmst nicht mehr am Leben teil. Bist genauso auf der Hut und unter Strom. Alles nicht ohne.

Laut KI gibts sowas wie Sekundäre Traumatisierung oder Sekundäre Traumatisierung heutig bei Ehefrauen von PTBS Soldaten. Noch ein Punkt warum man Angehörige nicht von der Therapie ausschließen sollte. Jesus Maria.

Und manchmal, wenn seine Wachsamkeit sehr groß ist, dann muss auch sie kontrolliert werden. „Wo warst du genau? Mit wem? Wann kommst du zurück?“. Handy kontrollieren. Starke Eifersucht / Misstrauen gegenüber Freunden, Kollegen, Familie. Und so weiter. Und so werden aus Opfer Täter.

By the way: Keine Ehefrau muss ihren Mann um Erlaubnis fragen für Freizeitaktivitäten.

Ansonsten habe ich meine Erwerbsanfähigkeitsrente durchbekommen, die zählt jetzt erstmal für ein Jahr. Also, ich stehe jetzt wenigstens finanziell schon mal ja, ich würde nicht sagen gut, aber ich kann meine Rechnung bezahlen. Ja, für meine Frau heißt es ja, da kommt wieder Geld rein. Sie kann den zweiten Job aufgeben und wir können anfangen wieder, sag mal relativ normal zu leben und uns dann wirklich mehr auf die Behandlung meiner Psyche zu kümmern, als wie dass man gucken muss, wo kommt das Geld her.

Traumatisiert vom Einsatz: Wie Martin um seine Familie und sich kämpft I 37 Grad

Tja als Soldat bist dann doch kein reicher Mann, der bis an sein Lebensende ausgesorgt hat. Der Preis is hoch den man zahlt. Die Auslandseinsätze waren gut bezahlt, aber was bleibt dir am Ende?


Es fehlen eigentlich die positiven Erzählungen. Wie so oft werden uns nur die negativen Dinge gezeigt, was soweit auch gut ist, da da einiges verbessert gehört. Aber wäre für viele auch hilfreich Vorbilder zu haben, die es geschafft haben. Und auch der Gesellschaft zu zeigen, dass es geht.

Tom versucht das

Was hat die PTBS aus mir gemacht? Ich war jahrelang gefühlskalt, ich konnte meiner Familie gegenüber, Freunden, vor allem den Kindern gegenüber keine Gefühle zeigen. Und das ist aus meiner Erfahrung und den Austausch mit anderen Menschen die den PTBS haben ähnlich.

Und durch meine Therapie Erfolge möchte ich einfach zeigen, dass man wieder fähig ist, Gefühle zu zeigen, sich mit anderen Menschen auch auf einer gefühlvollen Ebene auszutauschen. Und auch endlich wieder wahre Freude im Leben – also keine aufgezwungenen lustigen Witze sondern wahre Freude im Leben – zu erfahren und auch zu spüren.

Unbesiegt – KSK Veteran spricht über seine PTBS

Es geht nicht mit einem Fingerschnippen, aber es geht. Und auch hier gilt wieder, auch Emotionen müssen wiederbelebt werden. Da wo Anspannung und Kampf ist. Da wo es dunkel ist, da kann keine Nähe existieren. Das ist hart.

Viele Stunden, Wochen, Monate und auch Jahre sind ins Land gegangen, in denen ich mich stark eingegraben habe. Ich habe in einem Art Schneckenhaus gelebt. Ich war phasenweise sozial nicht wirklich verträglich ,war eine hohe Belastung für Familie und Freunde. Und habe mit Hilfe genau dieser Menschen, Familie, Freunde, Therapeuten und meinen Hunden, die mich in der Therapie begleitet haben, in den letzten Jahren extreme Fortschritte gemacht.

Unbesiegt – KSK Veteran spricht über seine PTBS

Zuneigung und Liebe. Und Geduld.

Welche Phasen macht man mit einer PTBS durch? Meine Erfahrung – ich kann das nicht verallgemeinern – meine Erfahrung am Anfang war es eine Menge Trauer, Panikattacken, Wut, Selbsthass, Traurigkeit, Gefühllosigkeit zum Teil. Das war bei mir phasenweise so schlimm, dass ich sogar auf der Haut gefühllos war. Durch die ersten Therapieerfolge war ich dann fähig mit meiner Frau wieder eine ja liebevolle Beziehung aufzubauen

Unbesiegt – KSK Veteran spricht über seine PTBS

Diese Gefühlslosigkeit ist sicher hart. Eine andere Art der Taubheit. Und da muss man echt kämpfen. Und wie er auch wieder sagt, es hat gedauert, bis er wieder eine liebevolle Beziehung zu seine Frau aufbauen konnte. Da kann man nicht einfach mit Liebe heilen. Liebe kann dir die Kraft gaben durchzuhalten. Bis man sie wieder gemeinsam spüren kann. Würde mich interessieren, ob da die Familie auch in die Therapie eingebunden war. Ich glaube ja fast, dass es das braucht. Ohne kann nicht funktionieren. Man ist als Angehöriger ja auch hilflos. Und planlos.

Die Empfehlung sich noch einen Hund zu holen. Die Anfangsidee war tatsächlich ein fertig ausgebildeten Therapiehund zu holen. Da kam ich auf die Schnapsidee nee ich mache das selber. Ich hole mir meine Schäferhündin. Die hat mir ja in ganz vielen schlimmen vor allem Albtraumphasen, indem sie sich auf mich draufgelegt hat und sich schwer gemacht hat, sehr geehrt. Und hat dann mich extrem gut unterstützt. Zudem was ich an Unterstützung durch die Familie schon bekommen habe, waren da dann auch wirklich die ersten großen Durchbrüche. Ich habe wieder angefangen am Leben normal ist teilzunehmen.

Unbesiegt – KSK Veteran spricht über seine PTBS

Wäre interessant zu wissen, wie er das gemacht hat. Wie er sich seine Therapiehündin „ausgebildet“ hat. Wobei ich glaube, wenn man das bewusst macht und auch die Herausforderungen kennt und zumindest auch schon stabilisiert ist vom Stresslevel und so, dann kann das schon klappen.

Meine Botschaft ist, tretet in Kontakt mit der Natur und mit Tieren. Das wirkt heilend und macht glücklich,

Unbesiegt – KSK Veteran spricht über seine PTBS

Endlich sagts mal einer 😉


Ein anderes positives Beispiel. Und er hat viel gesehen. Sehr viel gesehen, bis es auch bei ihm nicht mehr ging.

Dann habe ich halt gemerkt, dass es gar nicht mehr funktioniert. Ich wurde immer aggressiver auch zu Hause, bei der Familie, also zum Glück nur verbal, nicht ähm irgendwie mit Händen oder so. Habe ich wurde ich nie aggressiv, aber selbst das ist ja sehr schlimm, wenn du deine Kinder anschreist, wenn du deine Frau anschreist und so. Ja, und da habe ich dann auch gemerkt, ich muss jetzt was machen, das geht so nicht weiter. Und meine Frau, meine allerbeste Freundin, die hat super geil, die sagt zu mir: „Junge, du redest nie wieder in so einem Ton mit mir, vor allem nicht vor unseren Kindern. Du gehst jetzt zum Psychater oder schmeiß dich hier raus.“ Ja, und das war genau so, wie ich es brauchte. Ich brauche eine harte Ansage. Und dann habe ich auch gesagt, okay,

Ex Elite-Soldat: 5 Jahre Krieg, PTBS, Tod & Trauma

Eine Soldatenfrau, die eh sehr oft allein alles managen muss und so gelernt hat, auch allein klar zu kommen, die kann dann auch auf den Tisch hauen. Und ja es gibt Grenzen und diese explizit aufzuzeigen, Respekt. Und manchmal brauchts genau das. Und es ist schön, dass es funktioniert hat.

Also ich kann nur jeden raten, der sowas hat. Hört auf eure Freunde, auf eure Frauen. Und meine Frau, die die ist der wahre Held in der Geschichte, sage ich ganz ehrlich. Wieso? Ja, weil was sie durchstehen musste. Guck mal, ich war nie da und es sind so Kleinigkeiten wie der Rasenmäher springt nicht an. Ja, mein Mann ist nicht da. Ich habe zwei Kinder, ich muss arbeiten. Ah, jetzt muss ich auch den Rasenmäher machen. Ist so kleine Beispiele aus dem Alltag. Sie ist einkaufen gegangen, hat zu Hause trotzdem weitergearbeitet, hat sich super um die Kinder gekümmert, Haus in Schuss gehalten, die musste alles machen und ich war halt 10 Monate weg. Na, also ihr gebührt ein ganz ganz großen Respekt.

Ex Elite-Soldat: 5 Jahre Krieg, PTBS, Tod & Trauma

Endlich sagts mal jemand. Es ist nicht leicht als Frau eines Soldaten. Im Endeffekt bist die alleinerziehend. Wenn sie nicht im Auslandseinsatz sind, sind sie trotzdem nicht daheim. Aber du kümmerst dich um Kinder, Haus etc. Fetter Respekt. Da musst auch schon echt stark sein. Und sicher ist da dann auch manchmal die Einsamkeit. Der Wunsch nach einer Schulter, die da ist. Der Wunsch nach Nähe. Mit und ohne PTBS ist es kein Wunder, dass so viele Ehe zerbrechen.

Aber ich finds geil, wie er hier seine Frau auch würdigt.

Eine Soldatenfrau ist vielmehr als nur die Frau eines Soldaten. Das Frauchen im Schatten des Helden. Die brav daheim wartet und Haus und Kinder pflegt, während er Geld verdient. Und wenn er dann mal heimkommt vor Bewunderung den Teppich ausrollen.

Und das würde ich auch jedem raten, der denkt, dass er das Opfer ist von PTBS und so. Es ist schlimm, aber überlegt euch, was eure Partner und Kinder mitmachen und und dafür lohnt sich es zu kämpfen. Also appelliere ich immer an jeden steht auf, es ist scheiße, was dir passiert ist, aber es geht weiter. Dein Leben geht weiter. Warum machst du weiter? Weil du Kinder hast, weil du eine Frau hast, weil du ein Hund hast, ein Wellensittich, keine Ahnung. Es gibt immer aus meiner Sicht immer ein Grund, warum man weitermacht. Es gibt immer einen Grund, um aufzustehen und weiterzumachen.

Ex Elite-Soldat: 5 Jahre Krieg, PTBS, Tod & Trauma

Ich findet leider nicht jeder diesen Grund. Und vielleicht muss man dazu auch noch in der Lage sein zu lieben oder sich zumindest daran zu erinnern.


Kommen wir am Ende zu Robert. Jemand der als einer der ersten öffentlich über das Thema sprach und um Anerkennung/ Entschädigung/ Hilfe kämpft. Für sich und seine Kameraden. Er kämpft immer noch gegen seine PTBS. Ende 2025 ist ne Doku rausgekommen.

Es gab einen einzigen Familienurlaub und das war das erste Mal, dass ich wusste, was PTBS ist. Der Mund ist ihm dann abends beim Grillen angeschwollen. Er hat ja diese Nesselsucht gehabt, die Schulter waren voll und hatte ihn noch gefragt. Er sagt: „Ja, das kriegt er immer um eine bestimmte Uhrzeit.“ Und äh ich habe ihn nachts zum allerersten Mal dann schreien hören. Er hat auch nicht auf dem Bett geschlafen, er hat auf dem Boden geschlafen und der hat richtig geschrien. Also das es gibt ja so ein Schreien so, wenn man wimmert, wenn man einen schlechten Albtraum hat, aber das war das war richtig schreien.

Roberts Schwester

Wir bejubeln KI, wollen zum Mars, aber bei sowas sind wir machtlos. Weil wir wegschauen. Weil wir wegschauen wollen.

Ja, das war der Griff zum Alkohol, um sich zu betäuben aus der Angst einzuschlafen. Also, ich hatte dann Angst vor diesen Albträumen aggressiv zu sein. Mein Körper fuhr schon auf Notstrom. Ich bekam Hautausschläge, ich hatte eine Trinkstörung. Also, ich habe kein Hunger mehr gehabt, kein Durst mehr gehabt. Ich habe exzessiv Sport gemacht und hat dann Ultramarathon angefangen. Also, ich such da immer dieses Extreme auf einmal.

Robert

Ich lass das mal so stehen.

Klag nicht kämpf. Habe ich sehr oft gehört. Ich habe nicht geklagt. Ich wollte einfach nur versorgt werden. Ich wollte irgendwie, dass mir jemand zuhört und das hat man nicht.

Robert

Man hat ihn sogar wieder in den Kampf geschickt nach der ersten PTBS Diagnose. Manchmal fragt man sich schon. Und es ist sein gutes Recht, die Öffentlichkeit aufzuklären. Auch vor allem bei all diesen aktuellen politischen Diskussionen über wehrhafte Streitkräfte und möglichen Kriegen. Wir wissen was das mit Menschen macht. Und wir brauchen dafür Lösungen.

Ich hätte ihn so gerne dabei gehabt und auch das trägt man, weil es ihm in der Woche wahrscheinlich nicht gut ging. Ich glaube, dieses Loyale, das wird immer bleiben und das kommt von Herzen und da kann die Welt noch so gegen ihn sein. Er wird meine Unterstützung wird halt immer haben, ne? Aber ich hoffe einfach, dass er mich irgendwann auch noch mal sieht und ähm wir werden ja irgendwann mal zusammen alt, ne? Also, ich möchte schon irgendwie äh dass wir als Rentner vielleicht mal irgendwann unseren Spaziergang machen, ne?

Roberts Schwester

Ihr zuzuhören ist auch hart. Das ist noch mal ein anderer Teil als die Ehefrau. Und auch hier gilt, du würdest so gern mit deiner Liebe heilen und helfen. Aber es geht nicht.

Ich kann für mich sagen, dass ich sehr viele Schuldgefühle aus dem Kosovo mit nach Hause gebracht habe, weil wir direkt Gewalt angewendet haben. Wir haben direkt zugeschlagen. Wir haben 99 Waffen beschlagnahmt. Da hat keiner Buch geführt, was wir beschlagnahmen haben. Ich kann dir aber sagen, es sind unendlich viele Waffen, Waffenteile nach Hause geschickt worden mit der Feldpost. möchte nicht wissen, wie viel Munition Waffen in Deutschland unterwegs sind und kein Vorgesetz hat reingegrätscht, im Gegenteil mitgemacht und ich habe halt diesen Hosenträger gesammelt und das ist krank. Ich habe vor kurzem gerade erst den Film Platoon geguckt. Es gab Einheiten, das ist Fakt, die haben denen Opfern die Ohren abgestürt und als Halsketten getragen. Wer an den Bildzeitungsartikel sich zurückändern kann, da war ein falsche Mega mit Totenköpfen auf dem Wolf und dann haben die ja Leichen in Afghanistan geschändet und fanden das lustig. Und im Hintergrund sieht man auch den Teil-Einsatzführer, hat auch mitgemacht. Das ist so ein Kreislauf, da muss man wach bleiben, da muss man sich erinnern, ist das hier richtig oder falsch. Das ist Kriegsverrohung. Und aus der Kriegsverrohung entsteht Trauma. Trauma, Schuldgefühle. Und das muss man dann, das dauert das wieder aufzubrechen in der Therapie. Das kann ich Ihnen sagen.

Robert

Trauma ist mehr als nur Kampf. Auch Schuld und Scham sind Teil von Trauma.

Ist der große Bruder, ne? Das war immer und das ist er immer noch, aber das ist seit dem Unfall halt tatsächlich anders. Also, wir waren früher ganz ganz eng miteinander verbunden und verändert hat sich das wirklich dann über Afghanistan. Das hat eingeschlagen wie eine Bombe. Ich wünsche mir seit über 10 Jahren, dass ich mal äh eine Begrüßung kriege äh indem man sich umarmt. Das gibt es das gibt es seit seit diesem Unfall nicht mehr. Es geht immer nur mit Handshake oder mit Faust und das ist äh das ist nicht schön. Ich habe eine Zeit lang große Angst gehabt, dass er sich das Leben nimmt. Das war die größte Angst, aber auch eben machtlos zu sein, nichts als Familie tun zu können. Und ich hätte so gerne so gerne einen großen Bruder, das äh ja, ich bewundere alle, die die Bilder mit ihren Geschwistern oder mit ihren Brüdern haben und wo drinne steht oder ja, wo man wo man sehen kann, dass man sich gern hört. Und ich würde ihn total gerne sagen, dass ich ihn auch liebe und äh aber allein schon dieses „Ich liebe dich“ würde ihn äh als Bruder, das wird er gar nicht aushalten.

Roberts Schwester

Am Ende der Doku heißt es: Zu seiner Familie bricht er jeglichen Kontakt ab. Die Dreharbeiten sind schon ein Weilchen her. Man kann nur hoffen, dass sie wieder zueinander finden. Und dass auch Robert wieder Nähe zulassen kann.

Robert hat übrigens auch eine Hund. Es war es, der ihm aufzeigte, dass es Zeit wird in Therapie zu gehen. Als er sich wieder mit Alk betäubte und sein Hund seine Alphastatus in Frage stellt. Was sie nur tun, wenn der Alpha krank oder alt ist.

Alles in allem, um noch mal auf die Ausgangsaussage von Philipp zurückzukommen, so einfach ist das nicht mit der Liebe und Trauma. Zum Trauma gehört halt oft auch, dass man Nähe nicht mehr zulassen, ertragen kann. Und es ist harte Arbeit und ein langer Weg, das wieder zu ermöglichen.

Und wenn man sich mit dem Thema befasst, macht vieles Angst.

Und denk′ auch an die Versehrten
Deren Wunden nie heilen
An die heillos verstrickten Boxer
In ihren Seilen
An jedes unverhoffte freundliche Gesicht
Das Löcher in das Eis der Herzen bricht

Brüder und Schwestern, ich glaub‘ daran
Dass unser Licht die Welt verändern kann
Kein Gott wird uns retten, kein Held uns befreien
Wir müssen es selber sein

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