Fehlende Identität

Wo ich gerade nach neuen Zielen und Hobbys suche. Mein Leben und meine Prioritäten sich auch stark geändert haben. Und auch die ein oder andere Sicht auf der Leben und uns Menschen. Wir Menschen verändern uns. Immer und stetig. Wir sind nicht in Stein gemeißelt. Wir probieren neue Dinge aus, werfen alte Gewohnheiten über Bord. Lernen neue Menschen können. Werden in Veränderung getrieben oder machen sie freiwillig.

Es gibt aber Menschen, die tun sich schwer damit, zu wissen, was sie wollen. Oder ob sie es nur wollen, weil es andere wollen. Was sie mögen oder nicht mögen. Wer sie sind. Welche Werte sie haben. Was ihnen wichtig ist. Und so weiter. Das was wir als unser Ich bezeichnen. Die Identität. Wobei das nicht so einfach ist mit der Identität. Die entsteht nicht aus dem Luft leeren Raum. Sie wird auch immer von außen geprägt. Der Mensch das Herdentier. Aber was wenn man zu sehr durch andere geprägt wird bzw. man sich zu sehr an andere anpasst.

Schwieriges Thema und ich glaube eh viel komplexer als es auf den ersten Blick erscheint. Und wieder so viel ungeklärt. Was ist Identität überhaupt? Wie viel ich und wie viel ihr? Wie funktioniert Identität in unserem Kopf? Weiß das überhaupt jemand?

Wir leben in einer Zeit, in der wir uns erfinden können in allen bunten Farben. Was grad hipp ist. Oder was sich abhebt. Können uns anpassen oder unangepasst sein. Und können uns im Zweifel immer wieder neue Gruppen suchen, denen wir uns anschließen. Und wenn ich hier in meinen Beiträgen suchen würde, würde ich genug finden darüber wie uns Gruppen prägen. Wie wenig wir das merken. Wie viel WIR in dem ICH steckt. Wie viel automatisch passiert. Wir sind darauf geeicht uns in Gruppen einzupassen. Und das zu tun was andere tun. Auch dieses ganze „anders sein als andere“ ist ach nur ein Trend, dem wir nachgehen weil es hipp ist also wünschenswert. Es ist am Ende auch nur ein Zeichen dazuzugehören.

Ich weiß nicht wie es sich anfühlt, wenn man nicht weiß wer man ist. Wenn man seine Identität nicht kennt. Kein Gefühl für seine Identität hat. Aber das scheitert wie gesagt auch schon daran, dass ich es nicht beschreiben könnte, was Identität überhaupt ist.

Ich könnte beschreiben, welche Charaktereigenschaften ich habe. Zumindest so wie ich es selbst wahrnehme. Oder auch gern sehe. Wir beschreiben uns ja in der Selbstwahrnehmung ja auch gern positiver als wir sind. Aber das wären dann alles so Sachen wie extrovertiert oder introvertiert, offen oder ängstlich, impulsive oder gelassen, sportlich oder gemütlich (ne das schließt ich nicht aus, aber egal), mehr der Theoretiker oder der Macher und so weiter. Das sind vieles Dinge, die man sich nir bedingt aussucht und auch nicht so auf Knopfruck ändern kann.

Aber dann gibt es eben noch so die anderen Sachen wie Musikgeschmack, Hobbys allgemein, wie man sich so die Zeit vertreibt und hoffentlich Freude dran hat, was man so gern isst und so weiter. Und vor allem welche Werte man hat und welche politische Einstellung. Und diese Dinge kann man zum Teil recht schnell verändern. Bei Werten und Moral wirds meist schwieriger, weil das oft sehr tief eingebrannt ist. Aber so Hobbies oder auch die ein oder andere politische Meinung, mei da kann man schon mal wechseln. Genau wie die Frisur und das Styling allgemein. Damit sagt man ja auch was aus. Man sagt eigentlich immer etwas aus. Mit allem was man tut und auch nicht tut.

Und wie gesagt, manchmal erfinden wir uns dann eben auch neu. Manchmal sogar was das Verhalten betrifft. Und dabei orientieren wir uns immer an der Welt um unser herum. Schauen uns Dinge ab. Erfüllen Erwartungen. Das sind ganz normale Vorgänge. Vor allem in engen Beziehungen. Und diese Anpassung kann da sehr weit gehen. Es heißt ja, dass Ehepartner sich im Laufe der Zeit immer ähnlicher werden. Sogar im Äußeren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich zu Beginn so ähnlich war wie nach ein paar Jahrzehnten Beziehung ist relativ gering. Manchmal entwickelt man sich aber auch auseinander. Sprich wir machen jeden Tag neue Erfahrungen und verändern uns dadurch auch.

So weit so gut. Ich könnte jetzt noch etwas von Sozialpsychologie – Theorie der sozialen Identität einwerfen. Bitte verlinkten Artikel selbstständig lesen. Im Grunde gehts darum, wie immer bei der Sozialpsychologie, dass wir nicht im luftleeren Raum existieren. Sondern wir immer mit anderen Interagieren. Aber nicht in deren Köpfe gucken können. Aber raten was in ihren Köpfen vorgeht. Und so haben wir unter anderem auch ein Bild von uns, wie wir uns sehen, in unserem Kopf. Und ein Bild davon, was andere von uns erwarten. Und dann noch eins, wie wir gern wären. Und gerade dieses ideale Bild, dem wir gern entsprechen würden, entsteht nur dadurch, dass wir uns von anderen etwas abschauen. Das wächst nicht einfach so in uns. Ach ja Judith hats die Tage noch mal erklärt

Allerdings stelle ich Judiths Aussage, dass jeder ein Bild von sich selbst hat, etwas in Frage. Wie sie schön beim Sollte-Selbst, dass wir die verschiedenen anderen in unserem Kopf haben und was diese JEWEILS von uns erwarten. Der Chef, die Kollegen, der Partner, die Freunde, die Eltern und so weiter. Und die können alle ganz andere Erwartungen an uns haben. Und wenn ich immer versuche diesen Erwartungen zu entsprechen, dann wirds schwierig. Dann „verliere ich mich“ gegebenenfalls in den Wünschen und Bedürfnissen anderer. Und verhalte mich vielleicht soagr komplett gegensätzlich je nachdem mit wem ich zusammen bin. Da würde ich ja den Überblick verlieren. Und vor allem auch den Autopiloten. Aber unabhängig davon, würde ich mich dann auch schwer tun, zu wissen wer ich bin. Außer dass ich mich fühlen würde, wie ein Spielball anderer.

By the was, auch wenn Fawn Response durchs Netz getrieben wird mit anderen wilden Säuen, ist nicht alles gleich Unterwerfung. Das mag durchaus eine mögliche Antwort auf eine akute Angriff Situation sein. Wie eben auch kämpfen, weglaufen oder tot stellen,, aber es geht jetzt nicht um einen akuten Angriff. Ich schlag ja auch nicht jede Sekunde um mich, wenn ich eher der Kämpfertyp bin. Anpassung an das Umfeld ist ein ganz natürlicher Vorgang. Aber wie immer macht die Menge das Gift. Wenns zu viel wird, kommt das System aus dem Tritt. Und ich will nicht abstreiten. dass Erfahrungen gerade im jungen Alter dazu führen können, dass man sich zu stark anpasst. Und vielleicht auch gar nichts anderes gelernt hat.

Aber unabhängig von der Erwartung anderer und dem Wunsch dem zu entsprechen, gibts dann dann eben auch dieses Ideal-Selbst. Wie man gern wäre. Was wir uns abschauen von anderen. Wir kennen das alle aus der Jugend, wenn wir uns unsere Idole suchen und dann so sein wollen wie sie. Egal ob das jetzt ein Musiker ist oder nur jemand aus einem höheren Jahrgang an der Schule. Oder einfach nur der Mensch, in den wir verdammt verliebt sind. Oder später vielleicht auch der erfolgreiche, der Chef. Und die Kollegin, die bekommt, was sie will. Und so weiter. Das Spielfeld ist groß.

Gerade im Kontext Entwicklungstrauma scheint Anpassung eine starke Rolle zu spielen. Zumindest bei Frauen. Männer schlagen eher den Weg der Körperlichkeit ein. Wenn die Muskeln stark genug sind, um nicht mehr das Opfer zu sein. Das funktioniert bei Frauen weniger gut. Daher sind Frauen eher die, die sich anpassen. Ich glaube, dass das in uns Frauen auch stärker veranlagt ist. Weniger Kampfmodus.

Maria berichtet, wie es sich für sie anfühlt, Wie es war und wie es ist. Siehe Fehlendes Identitätsgefühl

Ich frage mich, wie es sich anfühlt. Weil am Ende gilt es ja für uns alle, dass wir ein Produkt sind aus anderen. Wenn man all die anderen wegnimmt, die uns Dinge gezeigt haben, die wir dann lieben gelernt haben, die wir zu einem Teil von uns gemacht haben, was bleibt dann noch?

Vielleicht ist der Unterschied, dass man das Gefühl hat, dass es einem gut tut. Und man es selbst beurteilen kann. Die Fähigkeit zu haben, die Möglichkeit zu haben, zu identifizieren, was einem selbst gefällt, Spaß macht, Sinn und/ oder Befriedigung gibt. Und was man nur mag, weil es jemand anderes mag, der damit Spaß etc. hat. Und wenn derjenige nicht da ist, dann daran keine Freude zu haben. Und dann aber trotzdem aus der Kiste die Dinge vorholen zu können, die einem Freude machen. Und sei es nur mit einem warmen Tee und Kuscheldecke auf dem Sofa zu hocken es muss ja nicht mal was großes sein. Sich jedenfalls nicht zwingend gleich leer zu fühlen. Gefühlt nichts zu haben, was man nur allein aus sich heraus mag.

Es gibt Berichte von Menschen, die so sehr die Identität ihres Partners übernehmen, Erfahrungen. Vorlieben, Einstellungen, Wünschen, Ängste etc., dass sie das Gefühl haben, ohne ihn sind sie nichts. Nur noch leer. Als wäre da nur noch ein Loch. Kein anderer Mensch, der existiert mit seinen Bedürfnissen, seine Vorlieben, Hobbys, Werten, seinen Wünschen und Träumen. Vielleicht mg das diese Verschmelzung sein. Ich weiß es nicht. Aber es wäre die erste plausible Erklärung für Verschmelzung.

Ich glaube, dass das Thema der instabilen Identität größer ist, als „nur“ zwischen Extremen zu schwanken und bei kleiner Kritik gleich zusammenzubrechen und gar nichts mehr wert zu sein. Vielleicht hat es eben damit zu tun, dass man zu sehr von diesen externen Ichs in sich drin abhängig ist. Und noch gar nicht herausgefunden hat wer man ist. Wobei das wie gesagt schwierig ist. Wir leben nicht im luftleeren Raum. Unser Ich ist immer auch ein Produkt, dass nur in Interaktion mit anderen existieren kann.

Mir fällt es schwer vieles nachzuvollziehen. Wie sich das wirklich anfühlt. Ich kann nur aus den Dinge schöpfen, die betroffene berichten. Die die uns teilhaben lassen. Die versuchen zu erklären. Wir kennen halt immer nur unseren Blick auf die Welt. Unsere Wahrnehmungen, unser Empfinden. Für alles andere brauchen wir die Hilfe der anderen. Und je mehr Menschen bereit sind zu erklären, um so mehr können verstehen.

Und ich weiß nicht. Wenn man selbst an den Punkt kommt, wo man denkt, dass man keine Identität hat. Seine Vorlieben nicht kennt. Dass man sich dann egal wie alt man ist, noch mal auf eine spannende Reise begeben kann. Ausprobieren kann. Und wenn es schmeckt kann man es behalten. Verfeinern. Perfektionieren. Sagen wir mal Optimieren. Das mit dem Perfektionismus is nicht so der Bringer. Hust. Und es gibt Menschen, de brauchen eben auch immer wieder neue Sachen. Die sind ihr Leben lang im Entdeckermodus. Why not. Auch das ist Identität.

Nacht

ich bin nur ein produkt
aus allen anderen und mir
wenn alle anderen nicht da sind
bin auch ich nur halb hier

es sind auch meine sohlen
auf denen ihr reist
es sind auch meine hosen
in die ihr euch scheißt

wir sind projektoren
und leinwand zugleich
wir alle sind spiegel
aufeinander geeicht

dein gegenüber
ist dir näher als gedacht
wir haben uns entworfen
und genau so gemacht

es spielt keine rolle
wo der wahnsinn beginnt
klar ist nur eines
dass wir ansteckend sind

wir sind projektoren
und leinwand zugleich
wir alle sind spiegel
aufeinander geeicht

die stadt ein theater
leicht ist es nie
weil jeder von uns allen eine rolle spielt
und jede von uns allen führt regie

wir sind projektoren
und leinwand zugleich
wir alle sind spiegel
wir alle sind spiegel
wir alle sind spiegel
spiegel
man sieht sich vielleicht

Hannes Witmer – Ich du er sie ich

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