Letzte Woche war wild. Zuerst hat mich die Traurigkeit von jetzt auf gleich eingeholt. Und dann ist wieder viel Schnee gefallen und geschmolzen. Im Job alles wild, hocke irgendwo dazwischen, selbst entnervt aber am Ende entnervt, dass ich es selbst richte. Hab also auch zu viel gearbeitet. Und im Büro war ich auch noch. Zwischen drin weiterhin die Vögel im Park mit Fütter versorgt. Und auf Alins neuen Song gewartet. Und dann war da noch der Tod.
Sagte ich schon, dass letzte Woche wild war? Und irgendwie geht es diese Woche so weiter. Ich weiß nicht wieso mich die Traurigkeit so einfach einholte. Vielleicht war es einfach nur wieder die Erinnerung. An das was war, an das was mein Herz begehrte und das was ist und kommen wird. Eigentlich hatte ich es die letzten Wochen ganz gut aus meinem Kopf. Und war auch emotional irgendwo fern jeglicher Ausschläge. Außer ich arbeite gerade, aber das is was anderes und lenkt auch ab. Aber wie aus heiterem Himmel. Ohne das irgendwas vorgefallen wären. Außer dass ich einkaufen war. Aber das war ich schon die ganze Woche. Und alles war gut. Bis an diesem Tag. Und das blieb dann irgendwie wieder haften. Ich hab den letzten Satz von dir einfach noch nicht tief genug verinnerlicht. Aber ich geb mein bestes.
Heute hast du über den Stand der Dinge berichtet. Ich wollte letzte Woche schon fragen. Es ist quasi mehr oder weniger in trockenen Tüchern und die Termine fix. Ich fühle in dem Moment nicht wirklich etwas. Du freust dich, sagst du. Es klingt authentisch. Worte und Körper stimmig. Ich jubele nicht, ich weine aber auch nicht. In mir schlagen eh zwei Herzen. Das eine, dass den Tag nicht abwarten kann, an dem du aus meinem Leben verschwindest. Für immer. Aus den Augen aus dem Sinn. Für immer. Und das andere, das dich zu gern hat und hier behalten möchte. Und sich eine Welt ohne dich nicht vorstellen kann.
Das ist ein Kaff in der tiefsten Pampa am A der Welt. 40% Blauwähler. Das is quasi Sachsen. Die wahrscheinlich eh in Massen zugewandert sind. Da könnte ich mich glaube nicht anpassen. An die Natur wahrscheinlich schon. An die Menschen eher nicht. Kein Wunder, dass die Einwohnerzahlen sinken. Da würde ich auch abhauen als junger Menschen. Aber ganz schnell. Vor allem weil das dann auch noch Gemeindegrößen sind, wo jeder alles von jedem weiß. Ausprobiert und für nich so gut befunden.
Traurig werde ich erst daheim, als ich mir noch mal selbst erkläre, dass du mich ja nicht vermissen wirst. Und es daher vollkommen okay ist, dass ich nicht mehr in Tränen ausbreche und auch nicht Jubelstürme wie toll das is. Aber genau das macht mich dann kurz wieder traurig. Wenn einem klar wird, dass man selbst eben nichts bedeutet hat. Und dann stürze ich mich wieder in Arbeit.
Von irgendwelchen moralisch hoch tragenden „wenn man jemanden mag, dann freut man sich für ihn“ und sonst was, will ich grade nicht reden. Ich brauch gerade kein Ideal-Selbst. Ich brauch nur irgendwie wieder Ruhe. Und ich warte auf den Frühling. Er wird mich eh ablenken. Hoffe ich. Sonne, Blumen, Getier. Mein Revier. Und aus den Augen und aus dem Sinn.
Ach ja das eine Vergissmeinnicht hab ich aus Versehen geköpft. War wirklich ein Versehen. Ist auch egal, du hättest es eh nicht mitgenommen. Weil ich dir eben nichts bedeute.
Ich arbeite viel. Auf Arbeit ist viel los. Ich arbeite zu viel. Dinge, die so nicht geplant waren. Ich hatte Tage, da dachte ich mir „Soll ich noch was machen? Mag noch wer? Ich bin grad so im Flow“. Und wenn ich nicht arbeite, fütter ich Vögel. Lach. Der Winter ist hart und kalt. Ich wetter nächsten Sommer gibs bei uns im Park Hanf und Weizen und Sonnenblumen. Lach. Robin kommt immer noch nicht auf die Hand. Aber Frau Amsel frisst mir bestimmt bald die Rosinen aus der Hand. Ich find das auch sehr okay. Ich fahr bei minus 10 Grad um 8 Uhr früh mit dem Rad Vögel füttern. Oder wate durch Schneematsch. Da is ne Gegenleistung voll okay. Ach ja, irgendwer klaut unsere Kokosnüsse und Meisenknödel. Die KI meint, könnten Krähen sein. Die machen so was. Wir sind nicht amüsiert und befestigen jetzt alles mit Draht.
Ach ja und dann war da nach der Status und ein Sterbedatum Silvester 2025. Er war jünger als ich. Seit dem bist du AU. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir dies nicht auch im Kopf rumspukt. Auch deine Antwort und überhaupt. Ich wünschte, da wäre Hilfe für euch. Die die ihr schon seit langem bräuchtet. Ich weiß nicht, was passiert ist. Alles ist möglich. Ich zünde Kerzen an. Für jeden. Die im Himmel und die auf Erden. Mögen alle Seelen Ruhe und Frieden finden. Und das nicht nur im Tode. Sondern auch hier auf Erden. Es ist nie gut, seine Kinder zu verlieren. Egal auf welche Art und Weise. Und es ist auch nicht gut, seine Eltern zu verlieren. Egal auf welche Art und Weise.
Und ja ich hadere da auch mit mir und wie ich mich verhalten soll.
Körperlich bin ich auch nicht ganz so auf der Höhe. Habe wieder Beschwerden, wo ich dachte, die wären weg. Aber irgendwie sind sie dieses Jahr nur verspätet. Mein Stoffwechsel mag den Winter nicht. Alles fühlt sich an wie eine große Entzündung und wackelig. Aber Schlaf geht auch nicht. Und so weiter. Kind hat übrigens auch Kreislauf. I feel. Vielleicht sollte ich weniger arbeiten.
Oma hatte gestern Todestag.
Und dann hat die Kassiererin im Rewe, die eigentlich schon in Rente ist, meine Kordeln vom Sweetshirt zurechtgezogen. So über das Kassenband hinweg. Wenn du nach Luft schnappend, dein Kleingeld zusammenkramst. Lach. Ich mag sie. Sie mag auch nicht jedermanns Fall sein. Aber genau sowas brauche ich jetzt.
Irgendwie ist alles Autopilot. Irgendwie ist alles viel. Irgendwie ist alles und nichts. Und ich lebe irgendwie in den Tag. Und Schnee fällt von allein. Und er schmilzt auch von allein.
Und ich warte auf die Musik, die mich rausholt. Die mir Perspektiven aufmacht. Der Ingo wollte eigentlich neue Musik rausbringen, aber der muss diese Woche erstmal unters Messer. An der Halswirbelsäule.Sie dachten zuerst was mit Bandscheiben und wollte das wegtrainieren. Is aber nicht. Ich drücke ihm fest die Daumen.
Alin hat schon mal vorgelegt. Kommt im Frühjahr neue Platte. Sie meditiert jetzt. Muttern gefällt das Lied. Sollte ich ihr noch mal schicken. Sie hat sogar die Kommentare gelesen.
Meditieren wir uns in den Schlaf. Nacht.
Atme ein, atme aus
Dein Herz am Rasen
Dein Atem flach
Du spürst die Panik, liegst die ganze Nacht lang wach
Ja, diese Phasen
Innerlicher Krach
Deine unbändige Angst hält dich in SchachAtme ein
Atme aus
Nimm die Gedanken, die dich so zermürben, schmeiß sie mit dem nächsten Luftstrom raus
Atme ein
Atme aus
Leg deine Hand auf deinen Bauch, atme den Druck aus deinem Körper weit hinausSpürst du den Boden?
Wie er dich trägt
Horch in den Raum, bis sich der Aufruhr wieder legtDu hast Methoden
Du weißt, wie’s geht
Du kennst den Weg da raus, du weißt der Weg bestehtAtme ein
Atme aus
Nimm die Gedanken, die dich so zermürben, schmeiß sie mit dem nächsten Luftstrom raus
Atme ein
Atme aus
Leg deine Hand auf deinen Bauch, atme den Druck aus deinem Körper weit hinausDer Aufruhr legt sich
Die Erde trägt dich
Du brauchst dich nicht zu sorgen
Du bist hier geborgenDu musst nichts erfüllen
Du musst nichts erfüllenAtme ein
Atme aus
Atme ein
Atme aus