Irgendwie will der Winter nicht enden. Der Schnee fällt mal wieder von allein. Und de Vojels sind ziemlich verfressen. Mein Meisenknödelhalter ist weg. Der war neu aufgefüllt. Nur noch der Deckel da und eine Hundekackwurst. Entweder waren es die Krähen oder sonstiges Getier. Oder es waren übermütige Jugendliche oder sonstige Verrückte. Ich bin nicht begeistert.
Baumarkt Robin lächelt mich trotzdem an. Sitzt auf dem Zaun am Weg, Fliegt neben mir her. Setzt sich neben mich.
Mein Hals kratzt. Und meine Gedanken auch.
Meine Gedanken sind blutig. Ich kenne sowas nicht. Ich weiß nicht, was mir mehr Angst macht. Dass diese Bilder meinem Kopf entspringen oder das Gefühlt, ab und an Dinge in meinem Kopf zu finden, die nicht mir gehören. Weil letzteres ist Machtlosigkeit. Und ersteres gruselig, aber so unrealistisch wie ein Lottogewinn auf dem Mars inkl. Hochzeit mit Lena Headey. Man kennt sich. Da kann man den ein oder anderen Gedanken müde weglächeln. Ich hab nicht Angst vor mir. Ich hab mehr Angst vor dem anderen.
Mein Unterbewusstsein schließt ab. Ich hab geträumt. Mal wieder vom Bahnhof. Ich musste allein reisen. Ich wartete vergebens. Ich war nicht existent.
Ich komme mit der aktuellen Lage nur bedingt klar. Die Energie. Das Selbstbewusstsein. Die Freundlichkeit. Dass neue Lebensabschnitte Adrenalin sind. Euphorie. Und wohl auch Dopamin. Ja klar. Ich seh das nicht zum ersten Mal. Und das vergeht immer. Weil das neue spannende immer zum Alltag wird. Und Träume der Realität weichen. Aber unabhängig davon ist es einfach so anders als sonst. Und ich frag mich, ist es nur die Biochemie im Blut? Ist es etwas Wehmut und Abschied? Oder st es Training? Und wo ist der Mensch, der da sonst stand?
Und woanders ist auch immer nur ein weiteres hier.
Das Kind fragt, warum die in ihrer Klasse alle so homophob sind. Gut, ob die Frage, ob man mit jemanden zusammen ist, ist gleich homophob ist, wage ich zu bezweifeln. Ich hätte genauer nachfragen sollen. Hust. Aber diese Frage kommt nicht von irgendwo her. Und sexuelle Findungsphase in den Alter eh hin oder her. Die Zeiten haben sich geändert. Wir laufen wieder rückwärts. Alles politisch aufgeladen. Alles ein Kulturkampf. Und die hart erarbeitete Freiheit und Akzeptanz zerbröselt an Drag Queens, Genderstern und Regenbögen.
Manchmal wenn ich meine Seele streicheln will, rede ich mir ein, dass in einem anderen Leben, in einer anderen Zeit, mit mehr Toleranz, es anders hätte laufen können. Es fühlt sich dann nicht ganz so kalt an.
Und dann sitz ich am Bahnhof und warte. Vergebens.
Ich lese blaue Facebook-Posts aus der Pampa. Knapp 40 Prozent bei der letzten Bundestagswahl.
Ich laufe über den Markt. Es ist Wahlkampf. Bei der ÖDP verteilt man Eimer mit Vogelfutter. Ich bin kurz davor. Bei der SPD ist am meisten los. Laufe fast dem Bürgermeister in die Armen. Gut das erklärt den Andrang an dem Stand. Vor mir ein Mann mit orangem Eimer. Der is aber nicht von der ÖDP. Der is von den Freien Wählern. Warum auch immer die auch Eimer verteilen. Der Herr vor mir benutzt ihn, um seine AfD Fähnchen zu transportieren.
In der Pampa regieren die Freien Wähler.
Ich muss daran denken, wie Dörfer funktionieren. Wenn der Scheiß den du verzapft hast, eher zu Hause ist als du selbst. Wenn jeder Hundekakckwurst auf ewig an deiner Sohle klebt. Egal wie oft du die Schuhe wechselst. Ich frage mich, ob diese strikten Regeln, die in Dörfern vorherrschen nicht auch hilfreich sein können. Man weiß sehr gut woran man ist und was man zu tun hat und wie man zu sein hat. Nur wenn man anders ist, wirds schwierig.
Ich suche nach Musik. Ich finde sie nicht. Ich höre derweil das Lied, das unser letztens Gespräch untermalte.
Und dann gibts es da noch so Tage, da passieren komische Sachen. Mehrere. Und du kommst dir vor wie ein Magnet. Und du fragst dich, warum heute, jetzt und hier? Und warum lächele ich? Zuerst. He und warum meldest du dich vom Dorfe? Haben wir eigentlich jemals mit einander gesprochen nachdem wir als Kinder die Urlaube miteinander verbrachten? Meine Erinnerung gehört genau da auf. Auch wenn ich mich an die Zeit erinnern kann
Die Zeit läuft wie der Sand durch die Sanduhr. Korn für Korn. Wir werden uns nie wieder sehen. Und der Abschied kann nur ein kalter sein. Und meine Soldaten sind mitten im Krieg.
Die Menschen bei dir sind komisch sagst du. Ich denke. Ich schaue die Menschen an. Wahrscheinlich sind sie überall komisch. Nur anders komisch. Je nach Farbe der Eimer.
Meine Bronchien schmerzen. Ich hab bestimmt Vogelgrippe. Ernsthaft ich würde das nicht mal ausschließen. Aber wahrscheinlich lags eher am Kind und Zwölfmann-Zimmmer kombiniert mit meinem Joggen bei zu warm und zu kalt. Dabei hab ich heiße Orange mit Ingwer getrunken.
Ich trinke Wein und Tee mit meiner Seele. Irgendwie ist es wie immer. Und doch irgendwie anders. Auf der Suche nach einem weiteren Hier.
Facebook sagt, dass Rotkehlchen ein Zeichen dafür sind, dass im Himmel jemand an einen denkt. Immer wenn ich Halt suche, denk ich an euch.
Ich muss Meisenknödelhalter bestellen.
Nacht!
Ich hab heut‘ Nacht geträumt, dass ich
In einem warmen, weitem Meer versink
Und du dabei ganz leicht meine Hand berührst
Und zuschaust wie ich ertrinkIch hab‘ heut Nacht geträumt, dass ich
Vor einem schwarzen Abgrund steh
Und ich mich keinen Millimeter
Bewegen kann der Boden wegbricht und du gehst
Und zwischendrin Bilder von dir im Gegenlicht
Und von deinem lächeln und deinem verliebten BlickAlle haben gesagt wir heiraten mal
Ich wollt‘ dich tragen bis ans Ende
Alles würd‘ ich sein aber niemals egal
Ich wollt‘ dich tragen bis zum Schluss
Aber dafür müsstest du hier seinIch hab heut Nacht geträumt, dass du
Dich mit ihm in unser’m Bett verlierst
Und ich direkt daneben steh und du mich siehst
Und einfach ignorierstIch hab heut‘ Nacht geträumt, dass mich
Ein Wirbelsturm in den Himmel zieht
Und du mich festhältst und dann doch loslässt
Und sagst du musst jetzt geh’n
Du hast ein wirklich wichtigen TerminAlle haben gesagt wir heiraten mal
Ich wollt‘ dich tragen bis ans Ende
Alles würd‘ ich sein aber niemals egal
Ich wollt‘ dich tragen bis zum Schluss
Aber dafür müsstest du hier sein
Dafür müsstest du hier sein
Dafür müsstest du hier seinIch hab heut Nacht geträumt, dass wir
Nochmal zusammen in den Süden fahr’n
Und am schönsten Strand halten, nichts and’res wollen
Es reicht, dass wir uns haben